Angel-Ho Death Becomes Her


Hyperdub/Cargo (VÖ: 1.3.)

Jetzt singt sie auch noch! Für ihr Debütalbum hat sich die als Angelo Valerio in Kapstadt geborene Transgender-Künstlerin erstmals ans Mikro gewagt. Und das hätte sie mal besser bleiben lassen sollen. Ihr klischeebeladener Divengesangsstil lässt ihre gewagten Klangarchitekturen auf einmal nicht mehr wie ein verwaistes Irrenhaus erscheinen, um das sich Menschenexperimentslegenden ranken, sondern wie etwas, das man tatsächlich betreten kann – um dort vielleicht sogar freudig zu tanzen!

An so irdische Betätigungen war bei ihrer Debüt-EP „Emancipation“ (feat. Arca) 2015 beileibe nicht zu denken: Das war ein düsteres Techno-Inferno, durch das sich Angel-Ho ihren Weg unter verbundenen Augen mit einer Machete schlug. Musik für den Albtraumschlaf nach dem drogensatten Clubbesuch. Unberechenbar und zu jedem Moment hoch interessant.

Hier begegnen sich die Arbeiten von Angel-Ho und Sophie. Auch Letztere erhob nach radikalen Noise-Pop-EPs auf ihrem Debütalbum ihre Stimme – buchstäblich und figurativ, um Vorgaben einer heteronormativen Welt anzugreifen – und belegte so ihre Existenz als Nichtroboter. Ähnlich intendiert mag Angel-Hos Weg in die Gesangskabine gewesen sein, doch hätte man die dort entstandenen Spuren lieber noch viel stärker verfremdet als ohnehin – oder einfach gelöscht. Zu affektiert und cartoonhaft kommt die Künstlerin da rüber.

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Das als Leadsingle ausgekoppelte Duett mit der noch aufgescheuchter wirkenden Filipina K Rizz, „Like A Girl“, ist sogar ein Fall für die Charts. Angel-Ho entstammt dem spannenden, kontinentenübergreifendem Kollektiv Non Worldwide, dessen Anspruch es ist, das Publikum in eine andere Welt zu schleudern. Doch allein die unsäglichen Trap-Hi-Hats in „Like That“ verorten uns klar im Hier und Jetzt. Die Gegend um das Irrenhaus von einst: längst gentrifiziert.

Oder so: Haben Sie den Horrorhit „Bird Box“ gesehen? Dort treibt eine für den Zuschauer unsichtbare Kraft Millionen Menschen in den Selbstmord. Kurz nach der Premiere veröffentlichte der Filmdesigner Bilder dieser Kraft online, sie zeigten lächerliche Gnome, halb Fehlgeburt, halb Blumenkohl. Da war er dahin, der Schrecken. Nicht gaaanz so, aber so ähnlich kann man sich dieses Album vorstellen.

Klingt wie: Lafawndah: TAN (2016) / Slugabed: INHERIT THE EARTH (2017) /Yves Tumor: safe in the hands of love (2018)

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