Automatic Excess


Stones Throw/PIAS/Rough Trade (VÖ: 24.6.)

von

In Interviews nach einem Genre befragt, nennen Automatic ihr Konstrukt augenzwinkernd „Soundtrack zum Bankraub“. Womöglich, weil sich die drei Musikerinnen aus Los Angeles klanglich in einem gut gesicherten Tresor eingeschlossen haben, ihre Songs folgen einer streng umrissenen Ästhetik. Auf ihrem zweiten Album EXCESS bewegen sich Izzy Glaudini, Lola Dompé und Halle Saxon innerhalb der Mauern ihres minimalistischen Space-Kraut-Post-Punks, wenngleich sie ihn mehr ausgeschmückt haben als auf dem Debüt SIGNAL.

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Drummerin Dompé, übrigens Tochter von Bauhaus-Legende Kevin Haskins und somit Postpunk-sozialisiert, drischt in stoischer Monotonie auf ihr Schlagzeug ein, der Bass pluckert, der Moog dröhnt, neonfarbenene Melodien werden unter Vermeidung jeglicher Emotion vorgetragen. Klingt so, als ob Suicides „Frankie Teardrop“ ein paar Tränen vergießt und sich in Düsseldorf von NEU! trösten lässt.

Ausflüge in benachbarte Genres werden dem Konzept strikt untergeordnet, so beflügeln Disco-Sequencer und Handclaps den Song „Automaton“ in Gedenken an Patrick Cowley. Jeder Takt scheint sorgsam austariert, der Sound wichtiger als die Songs. Was zu Lasten von Spannungsbögen geht. Braucht man die? Man wünscht sich zwar ein bisschen mehr, mehr Gefühl, mehr Melodie, mehr Wumms. Aber in Zeiten, in denen vieles überladen klingt, ist diese reduzierte Studie in Neon-Noir ein wirksames Gegengift.

Autor: Michael Prenner


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