B.B. King – „Now Appearing“ At Ole Miss

Die Studio-LPs von B.B. King aus den letzten zehn Jahren waren zum größten Teil viel zu überproduziert, schmalzig und geigenüberladen; aber auf diesem neuen Live-Album, aufgenommen an der Universität von Mississippi, zeigt er uns allen, daß er, inzwischen 54 Jahre alt, einer der größten Blues-Sänger und Gitarristen aller Zeiten ist. B.B. King gibt schon seit langem einer sehr eleganten, edlen Blues-Spielweise den Vorzug; er hat nichts von der ungeschliffenen Rauheit der Chicago-Bluesgrößen wie Muddy Waters und Willie Dixon, die viel mehrRock verarbeiten. Aber seine Art als Blues-Entertainer im Nadelstreifenanzug vertritt er live nach wie vor überzeugend.

Wie last alle Live-Alben ist auch dieses Doppel-Album eine Ansammlung der bekanntesten Stücke. „Three O’Clock In The Morning“, sein erster Hit (1952), „Caldonia“, „The Thrill Is Gone“, „Rock Me“, „I Got Some Outside Help“ sind dabei und einige mehr, z.B. die drei Crusaders-Stücke „Hold On“, „Never Make A Move Too Soon“ und „I Just Can’t Leave Your Love Alone“ von der letzten LP MIDNIGHT BELIEVER, die er mit den Crusaders eingespielt hat.

Bei B.B. King faszinieren mich neben seinem emotionsgeladenen Gesang am meisten die Töne, die er seiner Lucille, wie er seine Gibson nennt, entlockt. Im Grunde spielt er immer das Gleiche, die Anfänge der langsamen Blues-Stücke gleichen sich aufs Haar aber er spielt das so spannungsreich und mit so viel Gefühl, daß mir jedesmal erneut ein Schauer über den Rükken läuft. Zur großen Begleitband gehören eine Bläser- und leider auch eine Streicher-Gruppe, die manchmal etwas fehl am Platze wirkt. „Guess Who“ ist aber wohl der einzige herbe Ausrutscher. Hoffentlich habt Ihr mehr Glück mit der Pressqualität. An die Dauerknisterei kann man sich ja gerade noch gewöhnen, aber eine meiner beiden Platten eiert so furchtbar, daß es vor allem bei den langsamen Stücken eine Zumutung ist!