Beach House Once Twice Melody


PIAS/Bella Union/Rough Trade (VÖ: 18.2.)

von

Platten von Beach House starten immer auch mit dem Versprechen, dich mit auf einen Trip zu nehmen. Dann braucht es nur wenige Takte, bis die beschwörende Alt-Stimme der Nico-haften Victoria Legrand einen samt grundierend-repetierend-hypnotisierender Orgel-Patterns derart eingelullt hat, dass man nicht mehr weiß, ob man wacht oder schlafwandelt – geschweige denn, was der feine Unterschied wäre.

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Die maximal ambivalente Stimmung von Euphancholie (um mal aus Benedict Wells’ Roman „Hard Land“ diesen wunderbar treffenden Neologismus aus Euphorie und Melancholie zu klauen) liefern Beach House seit anderthalb Jahrzehnten, diesmal allerdings mit besonderer Liefer-Taktung: Vier im Monatsrhythmus veröffentlichte „chapter“ mit je vier bis fünf Tracks ergeben nun zusammen die Doppel-LP ONCE TWICE MELODY, das nunmehr achte, aber erstmals komplett eigenproduzierte Album des Shoegaze-Duos aus Baltimore, das zweifelsohne zu den besten lebenden Bands der Welt zählt.

Man darf bloß nicht allergisch sein gegen Flieder, Lilien, Anemonen in den Lyrics

Der titelgebende Opener setzt mit Synthie-Flirren ein, dann halb ernst gemeinten Drones – und einem für Beach House ungewohnt schnellen Beat und überraschend dreckigen Gitarrenriff von Alex Scally. Akustische Streicher (auch eine Premiere bei Beach House) verpassen dem Ganzen einen edel-opulenten Anstrich. Auf „Pink Funeral“ dann auch endlich massiv Orgel-Ostinato, wie wir es bei Beach House lieben.

Das Album hat zwar weit weniger Ohrwurm-Potenzial als die Meisterplatte TEEN DREAM (2010), aber entwickelt doch in seinem massiven Sound eine enorme psychedelische Wucht. Man darf bloß nicht allergisch sein gegen Flieder, Lilien, Anemonen in den Lyrics; oder Lichter, Engel und Heiligenschein – oder Verweise auf Hardcore-Depressionen. „Only You Know“ verwandelt Dream-Pop in Dream-Rock mit verstörend-schönen Dissonanzen.

„Finale“ (wenngleich nicht der finale Track) ist so viel Lebensratgeber, wie es ihn bei Beach House wohl nie zuvor gab. Für den Fall, dass man vergessen habe, wozu man ein Herz habe, empfiehlt Victoria Legrand in den Lyrics: rote Sonnenbrille, Lollipop, ein Kleid mit Tupfern drauf und reichlich Konfetti auf dem Boden. Ja, was will man mehr? Die Musik von Beach House ist jedenfalls warm wie Strandsand, der nachts noch einen Teil der Wärme vom Mittag ausströmen lässt.


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