Beady Eye BE

Columbia/Sony Music

Zugegeben, die Versuchung ist groß, die Rezension des neuen Albums von Beady Eye mit der des ersten Albums von Parlour Flames zu einer Sammelbesprechung zusammenzufassen – zwei Platten ehemaliger Oasis-Mitglieder in dreiwöchigem Abstand, beide Male im Kern eine Gestalt am unteren Ende der Kreativitätsskala der alles überschattenden Mutterband: Liam Gallagher, bzw. Paul „Bonehead“ Arthurs. Und tatsächlich drängen sich gemeinsame Angriffsflächen auf, allen voran die Texte. Beobachtet Boneheads neuer Sänger Vinny Peculiar „Manchester rain falling from the sky“, rät Liam: „Life is short, so don’t be shy. Spread your wings and learn to fly“. Aua. Und dann diese bereits bei Oasis zu Tode bemühten „Come on“s! Aber, schon klar, Gallagher ist ein anderes Kaliber und deswegen steht die Kritik von PARLOUR FLAMES auf Seite 90 und hier widmen wir uns jetzt ausschließlich BE … allein der Titel! Gut, Initialen des Bandnamens, aber ernsthaft: Nach BE HERE NOW und den omnipräsenten „ Exist“-Bannern der Heathen Chemistry-Tour noch mal das reine Dasein als Konzept? Große Gedanken oder erzählenswerte Geschichten sind bei Gallagher zwar ohnehin nicht zu erwarten, herausragender Gesang und zumindest ein gewisses Gespür für Melodien allerdings schon. Beides bekommt man. Auch Produzent Dave Sitek, den man bisher als supergeschmackssicher abgespeichert hatte, war ganz begeistert von der stimmlichen Souveränität des auch schon 40-Jährigen: „Man muss lediglich das Mikrofon anmachen und denkt nur noch: ‚Das klingt wie auf Platte!‘“ Aber eben auf keiner mit auch nur einem durchgehend überzeugenden Song. Einzelne Ideen mögen funktionieren, wie der Bläsereinsatz auf „Flick Of The Finger“ oder der Basslauf von „ Second Bite Of The Apple“. Doch jedes Stück hinterlässt ein dickes Warum? Worin besteht die Notwendigkeit für diese Musik? Alles, aber auch wirklich alles, wurde an anderer Stelle schon besser zum Ausdruck gebracht. Beschäftigungstherapie bis zur Oasis-Reunion? Gallagher tut im angeblichen Bruder-Diss, dem albernen „Don’t Brother Me“ zumindest sein Nötiges, um Letztere zu ermöglichen: „ Come on now, give peace a chance. Take my hand, be a man“. Live will er jetzt auch wieder Songs von Noel spielen – hier weiß man wenigstens, warum.


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