Album der Woche

Beirut Gallipoli


4AD/Beggars/Indigo (VÖ: 1.2.)

Gut zwölf Jahre ist es her, dass Zach Condon als Sänger, Trompeter und Ukulelist mit GULAG ORKESTAR eine Sehnsuchtslandkarte für Pop-Romantiker mit Second-Hand-Hosen erfand. Der Filzmützenboy aus den USA hatte sich Hals über Kopf in die Musik der alten Welt verliebt und trieb diese unter Beifall in einen wahren Blechrausch.

Prenzlauer Berg, Brandenburg, Bratislava, Rhineland, Cherbourg und Nantes – das Namedropping aus der Eurozone wollte in diesen triumphalen Hommagen kein Ende nehmen, spätere Entdeckungen auf Synthesizer-Basis schlossen sogar Amerika ein. Wenn Condon unter seinem Alias Beirut ein Album veröffentlicht, kommt jedes Mal dieses „Es war einmal in…“-Gefühl auf. 

Gallipoli also jetzt, besucht hat er den Ort im italienischen Apulien im Gegensatz zu einigen anderen Städten aus seinem Liederbuch höchstselbst. Dort war Condon Zeuge einer Prozession, in der eine Gruppe Priester eine Statue des Stadtheiligen zur Musik einer Blaskapelle durch die Altstadt trug. Diese Eindrücke verarbeitete er am folgenden Tag in einer Art Songwriting-Trance.

Kooperation

Auf dem Album startet die Prozession jetzt noch einmal, mit Orgel, Trommeln und diesen Trompetenmelodien, die nur Condon so hochnothymnisch spielen kann. Eigentlich hätte dieser Song damit schon sein herzerwärmendes Soll erreicht. Doch dann meldet sich der Sänger und beginnt zu berichten. Und Gallipoli wird zum Einfallstor in eine wilde Bilderwelt, die wir uns im Nu dazu gebaut haben. „Mainau Island“ und „Corfu“ heißen die nächsten Stationen, und sie werden jetzt tatsächlich einmal instrumental abgefahren, elegant, schwelgerisch, mit ein wenig Swing.

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Beirut grüßt wie ein Kapellmeister für Folk- und Pop-Soundtracks aus dem Off. Die alten Synthesizer, die Farfisa und das Piano, sie schwirren wie gute Geister durch diese Klangreisen, sie haben schon drei Leben hinter sich und wollen keine Ruhe geben. Besuchen Sie Europa, Zach Condon bespielt unseren Kontinent von seinen schönsten Seiten. 

Beiruts neues Album „GALLIPOLI“ hier im Stream hören:


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