Big Boss Man – Winner

Old is the new new. Denn das kollektive musikalische Gedächtnis der Menschen ist offenbar auf Kurzzeit programmiert. Und die Angehörigen der jüngeren Generationen haben ohnehin nichts zu vergessen, sondern nur zu entdecken. Beispielsweise eine Combo aus London, deren Frontmann Nasser Bouzida alias „The Bongolian“ es sich doch tatsächlich antut, im Zeitalter der handlichen Keyboard-Software eine zentnerschwere Harnmond-Orgel von Auftritt zu Auftritt zu schleppen. Bis nach Stockholm, wo seine Band Big Boss Man bei der wohl kaum trendfernen „H&M Fashion und Photography Exhibition“ aufspielen durfte. Paßt das zusammen? Retro-Mucker und Fashion-Victims? Es paßt sehr gut zusammen, denn Big Boss Man sind drei schicke Typen in schicken Anzügen, die den funky Hammond-Soul-Pop der sechziger Jahre pflegen, und zwar mit Inbrunst, Feuer und Stil. Der war schon vor 40 Jahren clubtauglich, und weil die Clubs heute noch immer nach den gleichen Prinzipien laufen wie anno Tobak, funktioniert auch die Musik von Big Boss Man. Perlen des Albums sind Instrumentals wie „Everybody Booglaoo“ und „The Hawk“ mit ihrer schmatzenden Hammond-Orgel und reichlich Percussion-Sounds. Wenn Big Boss Man zu sehr in Richtung Britpop abdriften, wird’s mitunter aber ein bißchen holzschnittartig: schöne Melodien zwar, aber eine Spur zu vorhersehbar. Dennoch: feine Platte.

www.big-boss-man.com