Bonaparte Sorry, We’re Open


Staatsakt/Warner 17.8.

von

Bonaparte gehören zu den Erfolgsmodellen des Franchise-Unternehmens, das die mindestens so unhaltbar behauptete wie immer noch in freier Wildbahn real exis­tierende Crazyness Berlins auch an Orten außerhalb der Hauptstadt zur Aufführung bringt.

Mehr oder weniger verkrachte Künstler- und Lebenskünstler-Existenzen finden rund um den Direktor Tobias Jundt in diesem Wanderzirkus eine Anstellung und so lange Spaß daran, so lange sie selbst das Tempo hoch halten können. Keine Frage, das gleich hinter der legendären Bar 25 aus dem Ü-Ei geschlüpfte „ Original“ ist dem vorzuziehen, was sich irgendwelche Agenturen in genau diesem Augenblick ausdenken könnten, um noch ein abstruses „ Berlin-Gefühl“ als dünnes Sößchen über ein beliebiges Produkt zu gießen. Doch Spaß- und Pferdebremsen, von denen mindestens eine in der Redaktion dieser Musikzeitschrift sitzt, geben zu bedenken: Ein bisschen Maskerade, eine Konfettikanone, nackter Busen und wildes Gezappel machen noch keine gute Popmusik. Und eine Old-School-Drum-Machine und ein böser Basssynthesizer, neckisch durchs Telefon gesungene Keckheiten und ein bisschen grobe Gitarre, eine Handvoll gebrochener Seefahrer-Romantik-, Fitness­trainer-Animationen und Charleston-Klischees, und Mariachi-Tröten noch kein gutes Album.

Es ist unbedingt ratsam, sich ein paar zum amtlichen Exzess neigende Menschen einzuladen, um Sorry, We’re Open so öffentlich wie möglich aufzuführen, soll der Spaß beginnen. Kann aber auch sein, dass die wilden Gäste bald schon nach „Remmidemmi“, „Song 2“ oder „Blister In The Sun“ verlangen. Diese Hits oder wenigstens auch nur etwas halbwegs Vergleichbares haben Bonaparte nämlich vergessen aufzunehmen für dieses Album.

Key Tracks: „In The Breaks“, „Point & Shoot“


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