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Boniface Boniface


Transgressive/PIAS/Rough Trade (VÖ: 14.2.)

Das Reizwörtchen Suburbia (zu Deutsch „Vorstadt“) provoziert natürlich Gedanken an die Pet Shop Boys und ihre gleichnamige Hitsingle von 1986. Der Kanadier Micah Visser alias Boniface hat es gleich in zwei Songtiteln seines Debütalbums platziert, im Opener wie auch im Finale. Das kann ja wohl kein Zufall sein.

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Der Link ist nicht verkehrt, denn auch Boniface, erst Anfang 20, versteht viel von außerordentlich zugänglichen, wenn auch in Mollmelancholie getauchte Discohymnen. Wer 1986 noch nicht am Leben war, könnte aber auch an den schwulen Pop-Entwurf des durch YouTube großgewordenen Sängers Troye Sivan denken, der 2015 auch einen Song namens „Suburbia“ gemacht hatte, um sich am gespaltenen Verhältnis zur heimischen „Blue Neighbourhood“ abzuarbeiten.

Boniface also wagt sich auf einen lyrischen Sommer-Roadtrip, nach dem Frühlingserwachen. Man ist 21 und die ganze Welt steht einem offen – wenn nur der Kater von gestern Nacht nicht wäre. Man sagt der Ex, dass man sie wieder will, obwohl einen eigentlich bloß die Sehnsucht danach leitet, wieder clean zu werden. Man lässt sich im Pool treiben und tut, als wäre man noch mal ein Embryo. Und man lässt sich ficken von jemand, dem das gerade gar nichts bedeutet, und es bläst einem trotzdem das Hirn weg. All das singt Boniface.

Klanglich versucht er, sehr viele abzuholen, dass es fast wie ein junges Pop-Album vom alten Schlage wirkt, als man sich noch nicht so oft in seiner Streaming-Nische vergrub, sondern für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. So wird auch etwas gerockt und gemusicalt bei Boniface, aber diese Nummern sollte man schnell wieder vergessen. Richtig drauf hat er hingegen neben Disco-Pop das fast immer unterschätzte und deshalb auch von Banausen allzu oft bediente Genre raue Klavierballade. Boniface haut in die Tasten, flüstert, dehnt Silben zum Dahinschmelzen, falsettiert und lässt die Stimme brechen wie es nur geht, wenn man es ernst meint.

BONIFACE im Stream hören:


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