Brian Harnetty Shawnee, Ohio


Karlrecords (VÖ: 26.4.)

Als Brian Harnetty 2010 begann, die 650-Seelen-Siedlung Shawnee in den südöstlichen Appalachen zu besuchen, begab er sich erst einmal auf die Spur einer Familiengeschichte, die eng mit der Migration walisischer Bergarbeiter in die Region der „Little Cities Of Black Diamonds“ in Ohio verbunden war. Er knüpfte Kontakte zu den Einwohnern, recherchierte in Archiven, machte Field Recordings und entdeckte eine Box mit 40 Kassetten aus den 1980ern, die sich als wahrer Schatz erwies: Sie enthielt mit zahlreichen Interviews eine mündliche Überlieferung einer vergessenen Historie.

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Menschen, die von ihrem Alltag erzählten, Lieder sangen, die ihre Erinnerungen teilten. „Langsam vermischten sich Vergangenheit und Gegenwart“, schreibt Harnetty im Booklet zum Album, das erst im Prozess der Entschleunigung entstand und Konturen annahm in einer Collage aus den Interviews, Klangmitschnitten und den Kammerfolksequenzen, die er mit einem kleinen Ensemble (u.a. Paul De Jong von den Books am Cello) aufzeichnete.

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Jeder der elf „Songs“ ist einem Erzähler gewidmet. In den Aufnahmen rückt der Raum zwischen den Zeiten und Generationen zusammen; wenn Lucy davon berichtet, wie sie Piano in einer lokalen Band spielte und immer mit den Jungs flirtete und im selben Moment Piano, Bass und Saxofon aus dem Hier & Jetzt erklingen, verschieben sich die Kontexte. Durchaus vergleichbar mit den Aufnahmen, die der Sonic Ethnographer Harnetty und der Songwriter Will Oldham 2009 unter Zuhilfenahme von Field Recordings einer SILENT CITY widmeten.

SHAWNEE, OHIO, auf dem Berliner Label Karlrecords veröffentlicht, ist vieles auf einmal: akustisches Porträt, empathische Erzählung und historische Spurensuche. Musik, mit der man eine Tür in einen unbekannten Raum aufstößt. Der simple Akt des Zuhörens kann die Zukunft formen, sagt Harnetty.


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Von Wegen Lisbeth :: sweetlilly93@hotmail.com 

Lass-ruhig-laufen-Deutschpop, zu dem sich prima mit dem Segway zum Späti oder gleich direkt in die Hölle fahren lässt.  


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