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Bright Eyes Down In The Weeds, Where The World Once Was


Dead Oceans/Cargo (VÖ: 21.8.)

von

Man darf nicht vergessen, dass Bright Eyes einmal eine sehr wichtige Band waren. Anfang der Nullerjahre führte Conor Oberst die Verzweiflung des Emo-Core ins Singer/Songwriter-Genre. Damit hat er rastlose Nächte gerettet, vielleicht sogar rastlose Leben. Danach zerfaserte die Diskografie, Oberst spielte Soloplatten ein, schrieb zuletzt Lieder mit Phoebe Bridgers. Was man bei aller Qualität vermisste, war der Wahnsinn, das Zerschossene, das überirdisch Schöne. Nach neun Jahren Pause sind nun Bright Eyes wieder da, und

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mit ihnen die alte Magie. Das sehr lange (14 Songs!) Album beginnt mit der Collage „Pageturner’s Rag“, die in eine Bar in Omaha führt: Leiser Trubel, ein Ragtime-Piano, Saloon-Stimmung, dann kristallisiert sich kurz die Stimme einer Dame heraus, sie sagt: „What they need right now is to feel like there’s something to look forward to. We have to hold on.“ Es ist die Stimme einer Nation der Verzweifelten, und Oberst, der sich mit Verzweiflung bestens auskennt, gibt ihr Hoffnung: „Dance And Sing“ heißt das folgende Stück, bei aller Trauer, bei aller Wut – bitte weitersingen, weitertanzen!

Obersts Stimme zerbricht ab und an am Tremolo, gehalten wird sie von Steel Guitars und süffigen Streichern. Mike Mogis, das musikalische Mastermind von Bright Eyes, hat ganze Arbeit geleistet: Bei „Persona Non Grata“ ließ er Dudelsäcke auff ahren, „Pan And Broom“ erinnert – angenehm – an das Titellied von „The Never Ending Story“, gesungen von Limahl, geschrieben von Giorgio Moroder. Wo wir gerade bei den Fun Facts sind: Den Bass auf vielen dieser Songs spielt Flea. Und er macht das sehr, sehr gut.

DOWN IN THE WEEDS, WHERE THE WORLD ONCE WAS im Stream hören:


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