Cat Power Jukebox


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Man könnte sich ja in die Idee reinsteigern, dass nach zwei Millionen verkauften Einheiten von THE GREATEST und dem großartigen ersten Cover-Album von Cat Power eine zweite Auflage der sicherste Karriere-Move überhaupt sei. Man muss aber nur kurz in Chan Marshalls Version von „New York“ reinhören, um zu verstehen, wie zwingend nötig das ist, was sie hier treibt: Marshall zelebriert die hohe Kunst der Aneignung, der Einverleibung. Sie nimmt bekannte und weniger bekannte Songs, macht sie sich zu eigen und – das ist das eigentlich Tolle – hat am Ende nicht einfach nur zehn Songs (plus zwei eigene) großartig umempfunden, sondern mit diesen Songs ein enorm dichtes Album gebaut, das weit mehr als eine schöne Liedsammlung ist.Das liegt natürlich vor allem, aber eben nicht nur an Marshall selbst, die mit ihrer tüchtig verhallten Stimme durch die Lieder geistert wie ein Heroin-Gespenst durch pinkfarbenen Gruselnebel, sondern auch an ihrer tollen Band (mit u.a. Jim White von The Dirty Three und Judah Bauer von Jon Spencer Blues Explosion), die wunderbar zurückhaltend tiefgefrorenen Soul spielt, und an Produzent Stu Sikes, der Chan Marshall klingen lässt wie einen gesungenen Traum von David Lynch. „New York“ als stumpfer, benebelter Soul ist nur der Anfang. Hank Williams‚ „Ramblin‘ Man“, schon im Original eins der zerschosseneren Stücke des Meisters klingt hier wie pulverisierter Alkohol, der in Zeitlupe verweht. Andere Stücke sind dem Mainstream-Hörer wiederum so unbekannt, dass der Vergleich sich fast erübrigt. Dennoch: Hört man Jesse Mae Hempbills Vorlage zu „Lord, Help The Poor & Needy“, wächst der Respekt vor Marshall umso mehr: Es ist ein ganz eigenes Dräuen, das sie in ihre Blues-Umwandlung dieses Spirituals legt.Es folgen ein rohe Version von Dylans „I Believe In You“ und das anschließende (neue, eigene) „Song To Bobby“ – eine Fanbekundung vor Dylan. Rührend beides, wenngleich keine Höhepunkte dieses tollen Ausnahmealbums. Hier sei eher auf ihre aufpeitschende Version von „Stuck Inside Of Mobile…“ auf dem I’M NOT THERE-Soundtrack verwiesen, die man gehört haben muss. Ansonsten: Erhaben.

Eric Pfeil – 06.02.2008

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