Chromatics Closer To Grey


Italians Do It Better (VÖ: 2.10.)

Es bleiben ein paar Fragen offen im Zusammenhang mit CLOSER TO GREY. Wenn die römische Sieben im rechten oberen Eck auf dem Cover die Anzahl der Chromatics-Alben darstellen soll, welche sind dann die Nummern fünf und sechs? Was wird jetzt aus dem im Dezember 2014 angekündigten, immer wieder verschobenen, zwischenzeitlich eingestampften Album DEAR TOMMY, dem wir meinetwegen die Nummer fünf zubilligen?

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Das neue – nach unserer Zählung – echte fünfte Chromatics-Album CLOSER TO GREY, das erste seit dem 2012er KILL FOR LOVE, kam über Nacht und ohne Ankündigung. Man kann die Größe dieser Pop-Giganten aus Portland, Oregon, sehr gut an ihrem Umgang mit Coverversionen messen. Hier: „The Sound Of Silence“ von Simon & Garfunkel. Johnny Jewel und seine Band erhalten den Charakter selbst eines totgenudelten und -gecoverten Songs und verleihen ihm zusätzlich noch diesen gewissen analogen Chromatics-Touch, diese würdevolle Traurigkeit, die nicht nur, aber auch in der Stimme von Sängerin Ruth Radelet begründet liegt.

Das gilt auch für „On The Wall“, das Cover von The Jesus & Mary Chain auf diesem Album. „You’re No Good“, das dreampoppige „Light As A Feather“ oder der Zeitlupen-R’n’B „Touch Red“ klingen innerhalb des Chromatics-Kosmos so vertraut, als wären auch diese Songs Coverversionen aus dem Konsens-Pop-Repertoire der letzten 50 Jahre. Nachtschwerer Synth-, Dream- und Art-Pop, der immer so klingt, als wäre er von David Lynch als Soundtrack beauftragt worden (hat er auch schon gemacht, keine Angst).

Man will diesem minimalistischen Synth-Sound gerne das Etikett „80er“ anhaften, aber das will partout nicht kleben bleiben an dieser zeitlosen Musik. Hier ein Flötensolo, da psychedelisch leiernde Synthesizer und ein straighter Beat, dort ein bisschen „Stranger Things“-Mystik als Ambient-Track verkleidet, wenn Ruth Radelet gegen Johnny Jewels analogen Maschinenpark ansingt, gewinnen immer beide.

CLOSER TO GREY ist ein „kleineres“ Album als sein Vorgänger, das epische KILL FOR LOVE. Dass bei Chromatics aber selbst ein „kleines“ Album eine fantastische Sammlung von Songs und Atmosphären sein, das macht die Einzigartigkeit dieser Band aus.

Stream:


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