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Flow Festival – Tag 2: mit Nicolas Jaar, Chromatics und The Black Keys

Am zweiten Tag des Festivals hatten die Karaokebars Helsinkis schon erste Spuren in den Gesichtern der Flow-Besucher hinterlassen. Spätestens während des Konzertes der Swans sollte Müdigkeit jedoch einem Mix aus Be- und Verwunderung weichen. Denn Michael Gira war wirklich gut aufgelegt, was in seinem Fall meint: wütend.  Nach einigen eingesprungenen und sehr außergewöhnlichen Akkorden brüllte Gira immer wieder Ansagen auf die Bandkollegen ein, was diese mit süffisanten Lächeln quittierten – im ganzen Zelt war es so laut, dass schon der Versuch verbaler Verständigung völlig absurd erschien.  Friedlicher, doch nicht weniger energisch ging es bei Kindness zu. Die Londoner traten mit viel Selbstironie auf, ohne dabei lächerlich zu wirken, was sich vor allem an den Ansagen und staksigen Tanzeinlagen von Adam Bainbridge manifestierte. Er und sein Schlagzeuger pushten sich in den Instrumentalteilen gegenseitig hoch, wogegen die beiden Sängerinnen die Songs mit ihrem Soul merklich bereicherten und beruhigten. Währenddessen trat nebenan Nicolas Jaar auf und wurde seinem Ruf als Genie elektronischer Musik gerecht. Zusammen mit einem Gitarristen und einem Saxophonisten nahm er manchmal die Stimmung im „Blue Tent“ gekonnt auf, zumeist jedoch steuerte er sie, indem er den ausgeklügelt produzierten Flächen seinen Gesang und seine Beats hinzufügte und sie, kurz bevor auch nur der Ansatz prolliger Stimmung entstehen konnte, wieder herausnahm.

Den Höhepunkt des Abends markierten danach überraschenderweise nicht The Black Keys, auch wenn Patrick Carney und Dan Auerbach mit einem krafvollen, bluesigen Set ihr Publikum begeisterten. Es mag an der kleineren Bühne gelegen haben, dass das stimmungsvollste Konzert des Abends von den Chromatics vorgetragen wurde. Das Quartett, das man größtenteils nur silhouettenhaft im Gegenlicht erkennen konnte, hatte sich merklich reichlich Gedanken zur Live-Umsetzung des aktuellen Albums gemacht. Druckvoll und nahe an der Perfektion spielten sie ein begeisterndes Konzert, ohne dass man ihnen irgendeine Anstrengung dabei anmerken können. Man hatte fast das Gefühl, die Band hätte das „Black Tent“ am liebsten von naebenan aus beschallt, um nicht mit ihrer Anwesenheit von der Musik abzulenken.

Mit glänzenden Augen konnte man also nun wieder in die umliegenden Karaoke-Bars ziehen um dort die gewonnen Eindrücke sacken zu lassen, während im Hintergrund drei betrunkene Herren in beigefarbenen Anzügen „Nothing Else Matters“ anstimmten. Seht an dieser Stelle ab morgen exklusive Bilder aller wichtigen Bands des Flow Festivals.


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