Clipping. Splendor & Misery


Deathbombarc/Sub Pop/Cargo

Für ihr Sub-Pop-Debüt verzichteten Clipping 2014 auf das „I“ im Titel: CLPPNG war aber alles andere als ein weiterer Versuch, sich im Battle um Coolness von Vokalen zu befreien. Jonathan Snipes, William Hutson und Daveed Diggs suchten die Auseinandersetzung mit dem für gewöhnlich so selbstreferentiellen Genre HipHop, schickten aber im selben Moment jede Menge Top-Twenty-Referenzen in Form von Samples in ihre lustig links des Hauptfeldes spielenden HipHop-Tracks, die ihre Andersartigkeit ganz selbstverständlich ausstellten (z.B. durch verfremdete Beats und obszön hochgepitchte Stimmen).

Auf SPLENDOR UND MISERY haben Clipping (wir schreiben den Punkt hinter dem Namen nicht mit, wir suchen an dieser Stelle keine Auseinandersetzung mit der Grammatik) das „Ich“ durch ein „Wir“ hinter sich gelassen, das in einer das komplette Album einnehmenden afrofuturistischen Erzählung im Hintergrund wirkt. Im Vordergrund steht der einzige Überlebende eines Sklaven-Aufstandes auf einem Weltraumfrachter, verloren und auf der Suche nach sich, bis er Musik im Rumpf der Kapsel entdeckt. Die Maschinen machen hier den Rhythmus und die Geräusche kontextualisieren das vertonte Bordbuch in einer dunklen Science-Fiction-Umgebung.

Über die ersten fünf Tracks mag man das Album für ein Hörbuch halten, doch mit Stück Sechs tauchen Clipping in die Geschichte des Gospels ein. Das klingt zuerst nach einer uralten verkratzten Feldaufnahme, bis der Chor die Melodie im hier und jetzt aufnimmt: „It‘s a long way away/And I‘m all alone“. Welch großartige Songdramaturgen die Musiker aus L.A. sein können, beweisen sie zwei Tracks später mit „True Believer“: über einem Slow-Mo-Beat entwickeln Clipping eine sakral anmutende Soul-Hymne, die Vokalsample und Roboterstimmen mitnimmt. Das Finale des Stücks fällt in eine Soundlandschaft, aus der eine opernhafte Frauenstimme aufsteigt (oder ist das vielleicht Diggs, der im Broadway-Musical „Hamilton“ zwei Rollen besetzte?) , aber jetzt sind wir schon wieder im nächsten Track. Und ein A-cappella-Wunder namens „Story 5“ folgt auch noch gegen Ende der Platte, bevor Clipping im Finale die Verfremdung suchen – und daran erinnern, dass es einen besseren Platz als den geben muss, den wir bewohnen.

SPLENDOR & MISERY ist bei aller Unwirtlichkeit so etwas wie eine Suite geworden, in der Soundelemente aus Gegenwart und Vergangenheit eine gemeinsame Form finden, nur die Lyrics zur Erzählung fehlen hier im Booklet.


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