Dear Reader Rivonia


City Slang/Universal

Aus der Ferne sieht man die Dinge ja bekanntlich deutlicher. So ging es anscheinend auch Cherilyn MacNeil. Denn das neue Album der Südafrikanerin, die sich hinter dem Bandnamen Dear Reader verbirgt, ist zwar in Berlin entstanden, wo die Singer-Songwriterin seit bald drei Jahren lebt, beschäftigt sich aber vor allem mit ihrem Heimatland. Das beginnt mit dem Titel: RIVONIA ist die Vorstadt von Johannesburg, wo Cherilyn MacNeil aufgewachsen ist. Ein Song erzählt vom beschwerlichen Leben der Minenarbeiter, ein anderer von der Verhaftung von ANC-Mitgliedern. Geschickt verschränkt Mac­Neil die Geschichte ihres Landes mit ihrer eigenen: In „27.04.1994“ besingt sie die ersten freien Wahlen nach der Abschaffung der Apartheid, in „Man Of The Book“ bedauert sie, dass sie ihren Ur-Ur-Ur-Großvater, der einst an der Seite von Mahatma Gandhi in Südafrika gegen die Rassentrennung gekämpft hat, niemals getroffen hat. Diese Inhalte finden ihren Widerhall perfekt in der Musik: Den folkigen Singer-Songwriter-Pop, den man von den ersten drei Dear-Reader-Alben kannte, hat MacNeil erst einmal zu den Akten gelegt. Stattdessen arbeitet sie auf RIVONIA nahezu ausschließlich mit Schlagzeug, Klavier und Stimmen. Vor allem Stimmen. Ihren eigenen Gesang und den einiger Zuträger hat sie am Computer aufgenommen, anschließend zerlegt und wieder neu zusammengesetzt zu verschachtelten, wundervollen Harmoniegesängen, die mal an afrikanische Stammeschöre denken lassen, mal wie die Begleitmusik für einen seltsam-traurigen Karnevalszug klingen oder auch wie Melodien aus Disney-Filmen, die Cherilyn MacNeil als prägenden Einfluss für ihre eigene Musik angibt. Mehr als 13 000 Kilometer entfernt von ihrer Heimat ist Dear Reader mit RIVONIA ein Meisterwerk gelungen.


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