Deftones :: Diamond Eyes

Warner

Nu Metal ist tot – das clevere Wechselspiel aus Harmonie und Härte dagegen umso lebendiger.

Es ist ein Wunder, dass der Fünfer aus Sacramento überhaupt noch ein Album aufgenommen hat. Nicht nur, weil der Vorgänger SATURDAY NIGHT WRIST ein kommerzielles Fiasko war, aber auch, weil Bassist Chi Cheng seit einem schweren Autounfall Ende 2008 im Koma liegt und man mit EROS ein komplettes Studioalbum verworfen hat. Begründung: Es passe nicht zur aktuellen Gefühlswelt seiner Macher, die nach mehr Optimismus streben. Weshalb DIAMOND EYES, das in Zusammenarbeit mit dem Ex-Quicksand-Bassisten Sergio Vega entstanden ist, eine Rückkehr zum gruppendynamischen Frühwerk um Alben wie AROUND THE FUR darstellt: Euphorische, dichte Klanggemälde, die beinahe cineastische Qualität besitzen, und entweder infernalische Stakkato-Riff-Attacken reiten, oder so kuschelig, weich und warm sind, dass man darin eintaucht wie in eine heiße Badewanne. Womit auch die kryptischen Texte korrespondieren: Erotische Tagträume, mystische Märchenwelten, ein Himmel voller Diamanten – aber auch Verzweiflung, Wut und Tod. Was für eine emotionale Achterbahnfahrt sorgt, die nie berechenbar und vor allem nie langweilig wirkt. DIAMOND EYES ist das Werk einer Band, die im Jahr 2010 wieder richtig viel zu sagen hat, engagiert und frisch anmutet, und einem großem Drama mit großer Kunst begegnet.

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