The Singles


Obacht, Konzept: Clouds Hill Recordings veröffentlicht eine Reihe von 7-Inches (jeweils auf 500 Stück limitiert, ohne Nachpressung) mit einem exklusiven Non-Album-Track von Bands, die im Clouds Hill Recording Studio von Johann Scheerer und Thies Mynther m Hamburg aufgenommen haben. Den Anfang macht „Licht aus“ (Clouds Hill Recordings/Cargo), ein Song von The Ape und 1000 Robota. Bei der Zusammenarbeit der Band von Sebastian Nagel (Karamel) und den drei Hamburger Schnöselpunks handelt es sich um einen niedlichen Elektro-Punk-Song. Klingt wie The Normal, wenn sie die Band von Alfred Hilsberg gewesen wären. Was bald kommt in der Serie: Phantom, Ghost, Karamel und Muff Potter.

Dass es BMX Bandits immer noch (und zwar seit 23 Jahren) gibt, wird immer mal durch das Stolpern über einen Tonträger der Schotten ins Gedächtnis gerufen. Die “ BMX Love EP“ (Elefant/Alive) ist erfüllt von sonnenscheinigem, schimmerndem 70er Pop, wie später Belle & Sebastian, aber mit einem Quäntchen Dusty Springfield und Bitrt Bacharach: die französische Version des Songs “ Our Secret Life“ („Quand Ill N’y Plus D’Amour“ genannt), das unveröffentlichte „I Can’t Wait Forever“, ein Niedlich-Cover der Labelmates My Little Airport („You Don’t Want To Be My Girlfnend, Phoebe“)plus Olivia Newton-Johns „Hopelessly Devoted To You“.

Die britische Technolegende Mark BrOOm kommt mit zwei Remixen seines 2006er Primetime-Floorfillers“ Twenty Nine „auf“ Twenty Ninc Remixes“ (Memo/Kompakt). „Brooms 09 Mix“ ist ein entschlacktes, trockenes, minimalistisches, bis ins letzte Soundtüpfelchen ausgearbeitetes Update des Tracks. Der griechische DJ und Producer Mihalis Safras hat das Original auf der B-Sette zu einem „klassischen“ OOer-Jahrc-Minimal-Techno-Track verarbeitet und ein paar spooky Effekte hinzugefügt.

Das muss sie sein, die Beat Connection: „Homecourt I Dip Shorty EP“ (Shitkatapult/MDM) ist das Resultat der Kontmenten-übergreijenden Zusammenarbeit von Chris de Luca Vs. Phon-o (Berlin) mit MC Kovas (Brooklyn) als CLP Feat. Kovas. Der Originaltrack wird hier im “ CLP Double Dutch Mix“ zu einem offensiven Bastard aus Techno und Ghetto Beat. „Housemeister’s Eurodance Mix“ ist zwar kein Eurodance, aber ein holzhackender Stampfer, der Kovas‘ Vocals unberührt lässt.

Die Welt, vor allem die der elektronischen Musik, ist ein Dorf; die Herkunft der Musikhersteller egal. Total egal. Dadajugend Polvforni aus Nürnberg-Kulmbach-Erlangen wurden erstmals vor zehn Monaten in dieser Rubrik erwähnt. Jetzt „melden sie sieb zurück“ mit der super betitelten Remix-12-Inch „Support Our Loops“ (Audiophil’Broken Silence). Der „Frittenbude Maschinen Tanzen Remix“ von „Automalica“ passt zur 1000-Robota-haften, elektropunkigen Attitüde des Audiolith-Labels. Plemo verwandeln denselben Track im „Bye Bye Technokraten Remix“ in eine etwas verspieltere, fiepsigere Elektro-Pop-Variante unter Berücksichtung der elektropunkigen Attitüde des Audwlith-Labels.

„Luftbahn“(Bubacki’Indigo), haben wir vor einem halb Jahr bei der Veröffentlichung des Deichkind-Albums ARBEIT NERVT geschrieben, sei „eine Art Electrolore, die auch m der Großraum-Disco funktionieren dürfte. “ Wir bleiben hartnäckig bei unserer Darstellung, aber weisen daraufhin, dass dieses Lied damals schon ein Hit gewesen ist. Die „Justus Köhncke Version“ kommt als eleganter Schleicher, die „Justus Köhncke Dub Version“noch eine Spur eleganter. Und der “ Luke Francis Remix“ lässt keine Tccbnn-Bdllermann-Wünsche offen. Sebastian „Sebi“ Hacken, R.I.P.

Reden wir falsch Zeugnis wider Benjamin Diamoild, wenn wir behaupten, dass der Franzose seit seinem 1998er Hit „Music Sounds Better With You“ nichts mehr „gerissen“ hat? Da hilft es auch nichts, dass Diamond, bevor er am 22. Mai mit seinem dritten Album „aufschlägt“, die Single „Baby’s On Fire“ (Diamond Traxx/Rough Trade) veröffentlicht. Selten so einen überflüssigen, belanglosen und sinnfreien Schlock-Electro-Pop gehört. Der „Rafale Remix“ versucht zu retten, was zu retten ist durch die Entführung des Liedes auj das Hoheitsgebeit von Ed Banger.

Dass sich fast jeder Song aufdem’fantastischen Hit-Album MIDNIGHT BOOM gut als Single machen würde, belegen The Kills damit, dass sie jast jeden Song aus dem Album als Single veröffentlichen. „Black Balloon EP“ (Domino! Rough Trade) ist schon die fünfte Single aus dem Album. Sie kommt als formschöne 10-Inch und hat neben dem niedlichen, aber widerborstigen Akustik-Pop des Titelsongs das unveröffentlichte “ Weedkiller“ zu bieten, einen Drecks- Blues- Rocker, und „44“, ein Cover des How-Un‘-Wolf-Songs. Mehr Blues geht nicht.

Manchmal sollte man seine Vorbehalte gegenüber in jüngeren Traditionen verhaftetem Indic Rock der Überprüfung unterziehen. Weil nämlich manchmal Spätfolgen der 2005er Welle an den Strand deiner musikkompetenten Arroganz gespult werden, die nur ein Urteil rechtfertigen: geil! Right Turn Left, vier Burschen aus dem Londoner Vorort Tooting, verarbeiten aufihrerzweiten EP“Take A Look Outside“ (www. myspace.com/rightturnleft) alle guten Eigenschaften von einstmals guten Indie-Bands wie Eight Legs, The Rifles und Little Man täte zu einem Hochenergie-Indie-Rock, dem man fast das Attribut „zeitlos“ ankleben möchte.