Delay Trees Delay Trees


Johanna Kustannus/Cargo VÖ: 21. Januar 2011

Ihre Debüt-EP „Soft Construction“ stieß 2009 nur auf sehr überschaubares Interesse. Mit dem ersten Album bringt das Quartett um Sänger und Gitarrist Rami Vierula aus Helsinki-Hämeenlinna jede Menge verträumter Melodien. Die Band versteht sich gut darauf, ihre meist sanft dahingleitenden Popsongs mit größter Unaufdringlichkeit und Nachhaltigkeit im Ohr zu verankern.

Als passender Vergleich fallen einem da erst einmal die frühen Feelies ein, die mit ähnlich subtilen Mitteln eine vergleichbar große Wirkung erzielten. Es ist schon beeindruckend, wie es Delay Trees in Songs wie „Tarantula/Holding On“ und „Quarantine“ schaffen, eine völlig entspannte Atmosphäre herbeizuzaubern. Die Songs der Finnen laden geradewegs dazu ein, sich dem Müßiggang hinzugeben, ohne jedes schlechte Gewissen.

Mit ihrem gerad­linigen Dreampop schließt die Band zwar sicherlich keine besonders große Markt­lücke, aber vergleicht man ihr Debütalbum mit dem Output weitaus etablierterer und zu Unrecht deutlich mehr gehypter Bands, dann schneidet Delay Trees, nicht zuletzt wegen wundervoller Songs wie „Whales & Colors“, die sogar eine gewisse Vorliebe für die Vocalakrobatik der Beach Boys erahnen lassen, mehr als nur achtbar ab.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Prince :: Originals

Die Piloten seiner Hits für die anderen: Der gesamte Prince-Kosmos, verdichtet auf 15 Stücke.

Vampire Weekend :: Father Of The Bride 

Die Amerikaner haben ihre Popsongs auf Folk- und Countrynährböden gedeihen lassen und mit Prog und Barock abgeschmeckt. 

Von Wegen Lisbeth :: sweetlilly93@hotmail.com 

Lass-ruhig-laufen-Deutschpop, zu dem sich prima mit dem Segway zum Späti oder gleich direkt in die Hölle fahren lässt.  


ÄHNLICHE ARTIKEL

„Special – Ein besonderes Leben“ ist die beste Netflix-Serie seit langer Zeit

Endlich einmal eine Serie über das Leben mit Behinderung, ganz ohne diesen komplett problembehafteten Ansatz und traurig-düsteren Überzug.

Wutausbrüche, Massenauflauf und große Kunst: „Christo – Walking on Water“

Die Doku zeigt einen Künstler und seine Crew kurz vor dem Nervenzusammenbruch, aber auch 20.000 Menschen, die gleichzeitig über’s Wasser laufen.

„Leaving Neverland“: So schlecht fühlt man sich nach der Jackson-Doku

Mit Wade Robson und James Safechuck werden zwei Männer interviewt, die aussagen, sie wären jahrelang von Michael Jackson missbraucht worden. Am 6. April wird die Doku um 20.15 Uhr via ProSieben ausgestrahlt. „Lohnt“ sie sich?


16 Musiker, die sich aktiv für den Klimaschutz einsetzen
Weiterlesen