Desiree Klaeukens Wenn Die Nacht Den Tag Verdeckt


Tapete/Indigo (VÖ: 31.1.)

Um einfach mal so, aber keineswegs zusammenhangslos ein Musterbeispiel für die Schönheit des Beiläufigen zu geben, reicht ein kurzer Blick auf einen Facebook-Post von Desiree Klaeukens. Eintrag vom 8. Oktober 2013: „Für alle, die es noch nicht wussten: Manchmal hebe ich fremde, hingefallene Fahrräder auf und überhaupt.“ Beweisfoto? Ist selbstverständlich vorhanden.

Und Desiree Klaeukens? Geboren in Duisburg, gelernte Kfz-Mechanikerin, Wahl- Berlinerin, Ende 20. Trägt fast immer Mütze und hin und wieder Hut. Letzteren zieht, wer ihr Debüt gehört hat. Geschult an den großen Alben der Flowerpornoes (für die jungen Hüpfer in der Leserschaft: MAMAS PFIRSICHE, RED’ NICHT VON STRASSEN, NICHT VON ZÜGEN, ICH & ICH), klingt WENN DIE NACHT DEN TAG VERDECKT so, dass Niels Frevert, Tom Liwa und Gisbert zu Knyphausen die Singer/Songwriterin nicht nur wertschätzen, sondern auch schon als Support engagiert haben.

Frei von Poesiealbum-Attitüde, aber randvoll mit Poesie ist WENN DIE NACHT DEN TAG VERDECKT, es klingt spröde und herzenswarm zugleich und ist so kunstvoll karg arrangiert, dass man Klaeukens Band auch dann sehr mag, wenn sie brillant sehr wenig bis nichts spielt. Liebe, Abschied und Tod sind die Themen, über die Desiree Klaeukens singt; es ist das, was das Leben eben so parat hält, ohne dass man erst einen Inhalt hineinfüllen müsste.

Wobei, Zwischenbemerkung: Was ist das überhaupt für ein dämliches Wort, „Lebensinhalt“?! Desiree Klaeukens singt über ein paar Wahrheiten des Lebens, die schönen wie die fiesen. In „Fallen“ klingt das so: „Ich bin längst fort, und du kommst nicht hinterher“. Wenn wir demnächst irgendwo eine Frau mit Mütze sehen, die hingefallene Fahrräder aufhebt, wissen wir, was zu tun ist. Und überhaupt.


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