Destroy Degenhardt Das Handbuch des Giftmischers


Audiolith/Broken Silence (VÖ: 03.11.)

Das politisch sehr engagierte Hamburger Label Audiolith wäre ein One-Genre-Wonder geblieben, hätte es einfach für immer auf den hedonistisch antideutschen Party-Dancefloor gesetzt. Doch mittlerweile hat man mit sogenanntem Zeckenrap (Kobito, Neonschwarz, Trouble Orchestra) ein ähnlich gewichtiges Alleinstellungsmerkmal durchgebracht. Die Einmannshow Destroy Degenhardt führt das HipHop-Thema nun auf ein weiteres Level, wenn man das so sagen darf. Der Düsseldorfer macht nämlich keine Politik mit seiner Musik, er ist vielmehr der erste wirkliche Straßenrapper und Storyteller auf dem Label.

Der eigene Narzissmus, die eigene Kaputt- und Krassheit als übergeordnete Erzählung zu düsteren Beats. Degenhardt, der sich mit dieser Platte das Präfix „Destroy“ gönnt, trägt dabei auch noch eine dieser inflationären Masken. Geschenkt. Denn in seiner Form des Raps ist entscheidend, wie man das Dahinter inszeniert – und hier kommt Degenhardt tatsächlich ganz weit. Deutlich macht das zum Beispiel „Carhartt Depres­sion“: Das Stück beleuchtet, wie selbstverständlich Mittelschichts­-rapper Weltschmerz und ein paar Tickets für Falschparken in ihren Texten zu tiefen Depressionen und Knastkarrieren aufplustern.

„Mit 18 Jahren etwas überfragt sein macht dich nicht zum Outcast mit geficktem Dasein.“ So banal will Das Handbuch eines Giftmischers nie sein. Selbstverletzung statt Selbsterfindung zieht sich spürbar durch die 14 Stücke. Manchmal ist das kaum auszuhalten, aber gerade deshalb handelt es sich hier um eine Veröffentlichung, die lange nachklingt. 


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