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Faber I Fucking Love My Life


Irrsinn Tonträger/Vertigo Berlin/Universal (VÖ: 1.11.)

von

Wie er da mit seiner heiseren, fast kippenden Stimme in unsere Deutschpop-Wüste hineinsingt, mit ihrer öden Liederkleinmacherei und der ganzen entsetzlich dumpfen Rapgangster-Bagage, mit der der Schweizer offensichtlich gleich eine ganze Hähnchenbraterei zu rupfen hat – da will man ihm doch lieber die Faberfüße waschen anstatt ihm das Schandmaul mit Seife auszulaugen.

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Im Interview des aktuellen Musikexpress‘ wird das Problem ja ausgiebig besprochen, das man mit ihm haben kann, wenn er sich wieder und wieder im Liederlyrik-Rollenspiel als sexistisches Mannloch, selbstmitleidiger Egoshooter oder anderweitig eklig gebärdet. Doch wenn Faber vom Kotzen singt, wird einem von euch beiden wenigstens wirklich schlecht: ihm oder dir. Ist er eklig, ekelt den kümmerlichen Kerlen, denen er eine Stimme gibt, bald vor sich selbst. Faber kriegt einen! Und packt so viel Subtext, Schmutz, Ambivalenz, atmosphärische Dichte in seine Texte wie sonst kaum einer.


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Dabei bleibt es nicht aus, dass er sich auch verhebt. Interessanterweise vor allem bei Liedern, in denen er es ausdrücklich gut meint. Die wütende antirassistische Vorabsingle „Das Boot ist voll“ zum Beispiel ist auch ohne die nachträglich rausgestrichene Vergewaltigungsfantasie viel zu (d)oller Holzhammer. Während Stücke wie „Generation YouPorn“ oder „Das Leben sei nur eine Zahl“ das (junge) Verlorengehen in dieser digital-globalen Welt so deutlich begreifbar machen, dass sie noch lange in einem nachhallen.


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Bleibt die Musik: Es gibt wieder viel balkaneskes Zeltfestival-Gewirbel hier, feurig gespielt, sind diese alten Schuhe aber eben doch durchtanzt. Vielleicht braucht man das aber ja zum Ausgleich, denn wenn Faber sich auch noch zum weinenden Orchester selbstentflammt wie in „Sag mir wie du heißt (Pt.2)“, ist das Melodrama kaum noch auszuhalten.

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