Kommentar

Fabers Reaktion auf die Vergewaltigungs-Kritik ist enttäuschend

Es kommt nicht oft vor, dass Künstler ihre neue Single nach nur einem Tag wieder offline nehmen. Faber hat es getan: Die Reaktionen auf eine Passage in seinem Song „Das Boot ist voll“ waren am Ende wohl doch zu heftig. In dem wütenden Stück, das besorgte Bürger ins Visier nimmt, singt er folgende Zeilen:

„Geh auf die Knie, wenn ich dir meinen Schwanz zeig
Nimm ihn in den Volksmund, blond, blöd, blau und rein
Besorgter Bürger, ja ich besorg’s dir auch gleich“

Dass der Refrain ein solches Echo erzeugen würde, damit hatte Faber anscheinend nicht gerechnet. „Vergewaltigungsphantasien gegen rechts? Alter!“, brachte Linus Volkmann das Problem auf den Punkt. „Wenn im Netz rechte Trolle unliebsamen Frauen wünschen, sie sollten von „Flüchtlingshorden“ vergewaltigt werden, will ich kotzen. Und ich sehe es als grundlegenden Widerspruch an, solche Übergriffe für die eigene Position zu legitimieren.“

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Auch auf Facebook, YouTube & Co. gab es für den Refrain eine Menge Gegenwind. Nun wurde das Musikvideo durch eine neue Version ersetzt. Videoinhalt, Sound, alles beim Alten, bis auf eine Zeile. Mit etwas flachem Verweis auf die Zeit des Nationalsozialismus heißt es nun:

„Besorgter Bürger, ich besorg‘s dir auch gleich

Wenn sich 2019 ’33 wieder einschleicht“

Das wirkt halbherzig. „Das Lied und das Thema liegen mir zu sehr am Herzen um es bei einer Version zu belassen mit der ich nicht absolut zufrieden bin. Vor allem will ich nicht, dass ihr nach so wichtigen Strophen nur noch den Schwanz-Refrain im Kopf habt“, schreibt Faber und zeigt weniger, dass ihm die Problematik dieser Zeilen bewusst geworden ist, sondern vielmehr, dass er seine neue Single nicht mit einem Shitstorm assoziiert wissen möchte. Kein Wort jedenfalls zu der Übergriffigkeit der alten Version, im Gegenteil: Sex als Werkzeug der Erniedrigung ist mit der Zeile „ich besorg’s dir auch gleich“ immer noch präsent. Zumal die Erklärung, dass Faber mit der ursprünglichen Version nicht zufrieden gewesen sei, absolut unglaubwürdig wirkt. Schließlich sieht man in zahlreichen YouTube-Mitschnitten, dass er schon seit mehreren Monaten mit dem Song tourt. Da hat er sich noch nicht an der Zeile gestört.

Statt sich ehrlich damit auseinanderzusetzen, warum Vergewaltigungsphantasien eine eklige Art und Weise sind, rechter Hetze zu begegnen, wird also schnell ein bisschen was ausgetauscht und darauf gehofft, dass die Sache wieder vergessen wird. Da hätte man sich von Faber eine reflektiertere Reaktion gewünscht.

Fabers Debüt SEI EIN FABER IM WIND erschien im Juli 2017. Sein zweites Album I FUCKING LOVE MY LIFE soll am 1. November 2019 erscheinen.

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