Fela Kuti Roforofo Fight


Partisan Records (VÖ: 19.8.)

von

Die Wellen, in denen Werke von Fela Kuti zur Wiederveröffentlichung vor allem im anglo-amerikanischen Raum gelangten, waren von unterschiedlichen Schwerpunkten in der Rezeption begleitet. Einen Gesamtüberblick über die 80, vielleicht mehr als 100 Platten, die der Sänger, Saxofonist und messianische Entertainer zu Lebzeiten rausbrachte, bringt sowieso niemand zustande. Worum ging es bei Fela und seiner bekanntesten Band Afrika 70? Um die Scharfmachung des Highlife-Jazz durch den Funk- und Soul-Impetus, den Kuti von seiner US-Reise 1969 mitbrachte etwa, um den Siegeszug des Polyrhythmus im Pop – ein überlebensgroßes Dankeschön an Tony Allen. Oder auch um Afrobeat als pan-afrikanische Protestnote an die Militärregimes von Kutis Heimat Nigeria.

Für die Neuauflage zum 50. Geburtstag des Afrobeat- Klassikers ROFOROFO FIGHT spielt der Community-Gedanke in Felas Live Shows im legendären „Shrine“ in Lagos eine zentrale Rolle. In den als „Feedback Loops“ bezeichneten Dialogen mit seinem Publikum entwickelte Kuti die aktuellen Themen seiner Songs, im Bigband- Sound mit massiven Bläsersätzen und funky Bass-Riffs trug er sie zu den Menschen zurück.

Kutis Tracks aus dieser Zeit, oft 12-, 13- oder 15-minütige Session-Aufnahmen, in denen der Sänger erst nach der Hälfte der Spielzeit auf den Plan tritt wie bei „Roforofo Fight“, bringen diesen Live-Charakter auf Platte. Groove, Keyboards und Sax first, der Entertainer nähert sich der Crowd im Sound und wird in solchen Momenten zum Street Worker und Beat-Pädagogen: „You dey craze! I no craze! Get away. Who are you?“ Es folgt eine Anleitung zur Vermeidung von Faustkämpfen. Die Bigband Afrika 70 hat in einer dialektischen Volte längst die musikalischen Fäuste ausgepackt. Diese Neuauflage von ROFOROFO FIGHT enthält über das Originalalbum hinaus die beiden 1972 als Singles veröffentlichten Tracks „Shenshema“ und „Ariya“.


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