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Unsere Geheimtipps: Diese 10 Afrobeat-Alben solltet Ihr Euch anhören

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Welche Afrobeat-Alben lohnen sich neben den eh schon bekannten? Hier kommen Frank Sawatzkis Geheimtipps für Euch:

Rail Band – RAIL BAND (1973)

In seinen besten Jahren war das Buffet Hotel de la gare Bamako in Mali ein Hotspot für Nachtschwärmer, Business-Leute und Reisende. Die Rail Band unterhielt das Publikum als Orchester des Hauses mit einer Mixtur aus Rumba, Calypso, Funk, R’n’B und der Folkore der Mandingo. Ihre Nächte waren wohl länger als die der Beatles im Star-Club in Hamburg. Zur neunköpfigen Band zählten 1973 zwei spätere World-Music-Stars: Salif Keita (Gesang) und Mory Kanté (Kora, Balafon, Gesang). Diese weniger bekannten frühen Aufnahmen gehören zu den Blaupausen für eine westafrikanische Linie des Afrobeat. Die Rail Band löst die Zeit im Hypno-Groove auf.


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Batsumi – BATSUMI (1974)

Das ist kein Remix und kein Disco-Banger, aber in den elfeinhalb Minuten des ersten Albumtracks entwickelt die Band aus Soweto einen Afrojazz, der mindestens die Köpfe tanzen lässt. „Lishonile“ setzt Bass und Beats mit Gesängen, Sax- und Flötensoli in full swing. In die folgenden vier Aufnahmen mischen sich Melodien aus dem Schatz der indigenen Folkmusik. Das Album wurde 1974 kaum beworben, Batsumi erspielten sich aber einen Ruf als hervorragende Live-Band, inspiriert vom „Black Conscious Movement“ der späten 60er. Musikalisch leichtgewichtig im Vergleich zu Afrobeatbands aus Nigeria oder den Spiritual Jazzern aus den USA.


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L’Orchestre Kanaga De Mopti – L’ORCHESTRE KANAGA DE MOPTI (1977)

T.C. Boyles Weltenbummler Mungo Park wird so etwas wie die Vorläufer dieser Musik auf der Suche nach dem legendären Fluss Niger gehört haben, das Rauschen und Tosen, die dahinbrausenden Melodien des Stroms, die sich hier und dort zu einer Sinfonie vereinigten. Das L’Orchestre Kanaga De Mopti zählte zu den Regionalbands, die Mali in den 70ern von Staatsseite finanzierte. Die Aufnahmen des großen Trompeters Sorry Bamba weisen aber über diese Zeit hinaus. Die Band war längst im Afro Futurismus des 20. Jahrhunderts angekommen. In ihrem kosmischen Funk tauchen Metallglocken, Fula-Flöten, ein großes Balafon, E-Gitarren, Keyboards und Synthesizer auf, dazu kommen mächtige Call-And-Response-Gesänge und hymnische Bläsersätze, die vom Ort Mopti künden.


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Bob Ohiri And His Uhuru Sounds – UHURU AIYE (1977)

In Nigeria soll man Bob Ohiri für einen besseren Gitarristen gehalten haben als King Sunny Adé, in dessen Band er eine Zeitlang spielte. Das Album, das er 1976 im englischen Oxford aufnahm, enthält sieben Stücke, zwei davon werden in Yoruba gesungen, eines in „Broken Englisch“. Die Band pitcht die traditionelle Musik der Yoruba auf den Psych-Funk ihrer Zeit hoch. Juju und Afrobeat werden hier zu einer prämedizinischen Versorgungsstation: Nonstop-Trance fürs Volk.


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Diverse – LIPA KODI YA CITY COUNCIL (2007)

Vielleicht weiß das Mississippi Label nicht einmal so genau, was sie da zusammengetragen haben. Auf der Langspielplatte mit dem handverklebten Cover aus Recyclingpapier und Fotos befinden sich zwölf Songs, die sie über die Jahre aufgelesen haben. Die Sammlung folgt keinem Programm, keiner großen Idee, nur der Magie der Entdeckung. Es ist Musik aus Mali, Kenia, Sierra Leone, Somalia und Ruanda, 1967 bis 1972 erstveröffentlicht. Wir hören Highlife-Stücke, Palm-wine Music, Juju und den coolsten Rhythm&Blues-Stomp, der nicht von Bo Diddley stammt. Und die Schwestern von Notre-Dame D’Afrique singen im Chor zum Minimal Beat von vier stoischen Drummern.


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Rikki Ililonga & Musi-O-Tunya – DARK SUNRISE (2010)

Mit dieser Ililonga-Werkschau setzte das Now Again Label ein Spotlight auf die Zamrock-Szene, von der auch die Afrobeat-Fachfanschaft bis dato kaum etwas gehört hatte. Zambia konnte – im Gegensatz etwa zu Nigeria, Mali oder Südafrika – keinen größeren Popstar mit internationaler Strahlkraft aufbieten. Die Alben und Singles von Ililonga und seiner Band erschienen in den 70-Jahren in Kleinauflagen. In der Rückschau klingt die Mixtur aus Afrobeat und Psychrock wie ein ausgewachsener transkontinentaler Sound-Flirt, der Jimi Hendrix, Fela Kuti, Rumba und Blues zusammenbringt. Oder: die Fuzz-Gitarre auf Kalimba-Wolken trägt.


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Baba Commandant & The Mandingo Band – SIRA BA KELE (2018)

Erinnert die Vorfahren! Das hier ist Griot-Rock oder auch eine Reanimation des Afrobeat. Der Commandant und seine Band spielen den Burkinafunk der 70er-Jahre mit einer Dringlichkeit in die Gegenwart, als ginge es bereits um morgen.


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Salah Ragab And The Cairo Jazz Band – EGYPTIAN JAZZ (2006)

Spektakel. Sound-Krimi. Exotic Jazz. Stellen Sie sich James Bond in einem Nightclub in Kairo vor, das 20-köpfige Orchester spielt Sachen von Count Basie oder bringt den „Ramadan in Space Time“ auf Tempo, als wäre den Musikern ein durchgeknallter Bösewicht auf den Fersen. Pianist und Drummer Salah Ragab begann seine Karriere im Militär und trat später mit dem Sun Ra Arkestra in Ägypten auf. Die Afroswing-Aufnahmen auf dieser Compilation stammen aus der Zeit von 1968 bis 1973.


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Diverse Ouaga Affair – HARD WON SOUND OF THE UPPER VOLTA 1974-1978 (2009)

Eine Platte zu produzieren war eine Herkulesaufgabe in Obervolta (Burkina Faso) in den frühen 70ern, es gab weder Aufnahmemöglichkeiten noch Presswerke. Künstler mussten Studios in Ghana aufsuchen, die Vinylplatten wurden dann in Benin produziert. OUAGA AFFAIR erzählt lauter LoFi-Short-Stories, voller Klangschwankungen und Fehler. Die populärsten Bands, Super Volta (& Sandwidi Pierre) und Harmonie Voltaique, nehmen Latin Beats auf die Dancefloors dieser Jahre, unter den rauen Oberflächen taucht eine mellow music mit Keyboards und Bläsern auf. Harmonie Voltaiques „M’Baba Tarame“ ist der Schepperradiopsychbeat-Hit auf dieser Zusammenstellung.

Francis Bebey – PSYCHEDELIC SANZA 1982-1984 (2014)

Techno auf dem Daumenklavier? Eine alternative Route auf Jon Hassells und Brian Enos „Fourth World“-Expeditionen? Eine Stimme, die den Körper als Krach-Geist verlässt? Francis Bebey, 1929 in Kamerun geboren, 2001 verstorben, war Musiker, Poet und Befreier, er spielte gegen die Kolonisierung der Gedanken in seiner Musik an. PSYCHEDELIC SANZA bringt das Werk eines Genies aufs Tableau, das den Afrobeat in einer transzendentalen Meditation erkundet. So irritierend wie berührend, der Künstler erklärt die Pygmy Flute zur Groovemaschine und setzt den Beats jodelnd zu.


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Dieser Artikel erschien erstmals im ME 06/2020


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