Indigo Sparke Hysteria


Sacred Bones/Cargo (VÖ: 7.10.)

von

„Blue was the name my mother gave me“, singt Indigo Sparke im Opener. Eigener Aussage zufolge hatte die Australierin mit dem poetischen Namen in der Corona-Zeit manches aufzuarbeiten: eine schmerzhafte Trennung, Verletzungen der Vergangenheit. Und so verfällt sie auf HYSTERIA, dem Nachfolger ihres Debüts ECHO, immer wieder in mantrahafte Beschwörungen, wiederholt Wörter und Sätze wie „Hold on“, „Pray“ oder „Set your fire on me“, als ginge es darum, Dämonen zu exorzieren oder sich Mut zuzusprechen.

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Insgesamt dreht Sparke die ein oder andere Runde zu viel, kreiert aber auch erhebende Refrains, gesungen mit ihrer kristallinen Stimme. Überhaupt steckt im vom vielbeschäftigten Aaron Dessner produzierten HYSTERIA eine neue Kraft und Vielfalt. Schon auf ECHO schepperte die E-Gitarre für Folk-Verhältnisse recht rau. Dessner hat diesmal eine Band, inklusive Schlagzeug, mitgebracht, die sowohl für Indie- und Countryrock-Drama als auch für samtige Americana-Balladen sorgt.

Dagegen lässt im Titelsong Joni Mitchell grüßen, während Sparkes betörender Harmoniegesang in „Blue“ an britische Folk- Duos wie The Staves oder Smoke Fairies erinnert. Ein Schmuckstück ist die pulsierende Fingerpicking- Nummer „Why Do You Lie?“, die fein flirrt wie Sternenstaub. Und doch: Eine melancholische Schwere schwingt stets mit.


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