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James Blake The Colour In Anything


Polydor/Universal

von

Erster naheliegender Gedanke, als der britische Songwriter und Produzent vor Monaten sein drittes Album ankündigte: Langsam sollte er sich mal etwas anderes einfallen lassen. Etwas anderes als diese minimalistische elektronische Musik im Nachklang zu den diversen britischen Bassmusiken aus dem vergangenen Jahrzehnt, etwas anderes als diese zerhackten Sounds, die dekonstruierten Piano-Balladen und den Gesang mit der hohen, fragilen Stimme. Der 27-Jährige hat sich für THE COLOUR IN ANYTHING, das lange Zeit den Arbeitstitel „Radio Silence“ trug und überraschend am 6. Mai um 0 Uhr veröffentlicht wurde, nichts anderes einfallen lassen. Und das ist gar nicht so schlecht, wie wir hören werden.

Sehen wir sein Debütalbum JAMES BLAKE von 2011 gleichzeitig als Endpunkt einer der wichtigsten musikalischen Strömungen der Nullerjahre und als Angebot für neue Wege der Entwicklung an. OVERGROWN zwei Jahre später war die Verfeinerung des musikalischen Konzepts. Blake kokettiert damit, dass der Minimalismus von The xx die Hörer auf seine Musik vorbereitet hätten. Wir sagen: Er wiederum hat die Hörer auf die Soundexperimente von FKA Twigs et al vorbereitet und damit seinen Beitrag zur Soundästhetik der Zehnerjahre geleistet.

THE COLOUR IN ANYTHING ist Ausdruck eines – ekliges Wort – Reifeprozesses, der auf perfekte Weise die Experimente des Debüts mit der sanften Verpoppung des zweiten Albums und erstklassigem Songwriting zusammenbringt. Das gibt ein nicht radikal anderes, aber doch ganz neues James-Blake-Gefühl. Der Reiz, den diese Musik ausmacht, gründet im Zusammenspiel der Sounds aus dem digitalen Baukasten und der bittersüßen Melancholie im Ausdruck.

James Blake hat hier seine Soundpalette um ein paar spielerische Elemente erweitert („Noise Above Our Heads“ mit seiner Spieluhrmelodie und dem Tabla-Rhythmus), es gibt die reine Pianoballade (der Titelsong) ohne digitale Verfremdungen und immer wieder den experimentellen Minimalismus („Timeless“, „Put That Away And Talk To Me“). „My Willing Heart“, die Zusammenarbeit mit Frank Ocean, klingt nicht nach Frank Ocean, während „I Need A Forest Fire“ mit Justin Vernon – wie schon „Fall Creek Boys Choir“ vor fünf Jahren – wie eine Zusammenarbeit mit Bon Iver klingt. Im Verlauf von 17 Tracks und fast 80 Minuten wird allerdings nicht unbedingt klar, worin die Leistung von Co-Produzent Rick Rubin besteht. Aber egal, James Blake bleibt maßgebend in Fragen der erweiterten Bassmusiken, für alle anderen gibt es Skrillex.


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