Kate Bush :: The Sensual World

Kate Bush hat keine Konkurrenz – entweder liebt man sie, oder man haßt sie. Ich liebte sie früher nicht.

Doch spätestens seit dem Album HOUNDS OF LOVE von 1985 hat sie ihre Grenzen weiter gesteckt. Ihre „Welt der Sinne“ erstreckt sich nun von Dublin über den Balkan bis in kosmische Sparen. Außerdem wuchs sie auch selbst mit der Erweiterung ihres Horizonts: Annähernd die Hälfte von THE SENSUAL WORLD ist eindeutig die Platte einer Frau, ein selbstbewußteres, komplexeres Frauen-Album als je zuvor.

Der Titel-Song, zugleich die erste Single, klingt unverkrampft exotisch, sexuelle Schwingungen im Rhythmus paaren sich mit eindeutigen Reimen, frei nach „Ulysses“ von James Joyce. Die absolute Krönung des Albums ist „Rocket’s Tail“, ein Lied, das Kate für ihre Katze schrieb. Es entwickelt sich zum halb acapella gehaltenen Angriff auf die Gehörgänge – mit Dave Gilmour, der das 16jährige Käthchen einst entdeckte, an der Gitarre und mit dem Trio Bulgarka, den stimmgewaltigen Matronen vom Balkan, mit verrücktem Macbeth-Gegacker und wilden, surrealen Vokalharmonien.

Die Bulgarkas, die auch in anderen Songs mitwirken, sind nicht die einzigen unerwarteten Gastmusiker. So treten auch Davey Spillane und Donal Lunny, die irischen Folk-Traditionalisten aus Elvis Costellos Umfeld auf, und sogar der klassische Violinist Nigel Kennedy mischt mit. So bestätigt sich wieder einmal Kate Bushs unangefochtene Sonderstellung. Jetzt mag ich sie auch.

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