Kiev Stingl

X R I NUIT

Klangbad (VÖ: 14.10.)

Vier Fundstücke des Hamburger Underground-Literaten, elektronisch nachbearbeitet.

Was Kiev Stingl zur Veröffentlichung von X R I NUIT mitzuteilen hat, gibt eine ins Literarische drehende Räuberpistole mit Ansätzen zum Polit-Thriller ab. Ja, der Autor und Musiker bespielte seine Existenz gerne mit vertonten Filmrissen und aufhorchend irrlichternder, bisweilen etwas abgenudelter Suff- und Fick-Poesie.

Coming Soon: Neue Alben, die 2022 erscheinen oder schon erschienen sind

Mit X R I NUIT ist eine Art Soundtrack entstanden, als vage Folge jener Ereignisse, die sich an einem Februarmorgen im Jahr 1982 auf Madagaskar zugetragen haben sollen. Stingl wird von der örtlichen Geheimpolizei in der Villa eines heroinabhängigen Mathematikprofessors verhaftet und verdächtigt, als Söldner an einem Komplott gegen den Präsidenten beteiligt gewesen zu sein. Der Todesstrafe entgeht er nur dank der Kontakte des Professors, der ihn außer Landes schmuggeln lässt.

Existenzialistische Prosa, die mit Sex und Tod zu tun hat

Zurück in Deutschland nimmt Stingl in den Hamburger Teldec-Studios mit dem Keyboarder und Gitarristen Götz Humpf fünf Songs auf, darunter „Ozean“, „Spiel den Brief“ und „Shanghai Café“, die hier erstmals veröffentlicht werden, in einem „Rework“ des Produzenten Niklas David. Die Basic-Tracks betreute einst Achim Reichel, doch weil er den Aufnahmen kommerziell keine Chance gab, wanderten sie ins Archiv.

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Was wir jetzt hören, sind drei Erzählungen aus Stingls Dark Room, existenzialistische Prosa, die mit Sex und Tod zu tun hat, von Gitarre, Keyboards, elektronischen Störgeräuschen und Gedanken an Lou Reed durchzogen. Dazu eine Skizze namens „Feu Follet“. Näher an den Neubauten, mit deren Alex Hacke und FM Einheit er später Tracks aufnahm, als an seinem eigenen Gossen-Rock/Blues der Mittsiebziger. Der Anspruch stimmte. O-Ton Stingl: „Ich hab noch was vor mit einer lausigen Stimme.“