Lana Del Rey Born To Die


Vertigo Berlin/Universal VÖ: 27. 01.

Eins wird dieses Album in kürzester Zeit zeigen: Über die Strecke eines monatelangen Blog- und YouTube-Hypes, der sich aus zwei wundersam schönen Songs speist, lässt sich dann doch nicht so leicht der Superstar 2.0 bauen, der über die Kondition verfügt, einem kompletten Album Leben einzuhauchen. Schade, Lana Del Rey. Die Songkollektion mit dem etwas zu marktschreierischen Titel Born To Die beendet den kurzen Siegeszug über die gerade gängigen Inszenierungen von Weiblichkeit im Pop mit einem Rutsch ins, sagen wir es doch, Normalmaß. Spielten der Charts-Hit „Video Games“ und „ Blue Jeans“, die beste Lee-Hazlewood-Ballade nach Lee Hazlewoods Tod, mit den großen Gefühlen aus der Ära der vordigitalen Unterhaltung, intoniert von einem gefallenen Retro-Girl, das sich vor der Welt mit seinen dunklen Geheimnissen zu entblättern wusste, geht der Rest des Albums einfach nur in Ordnung. Die Künstlerin ist erlöst vom frühen Hype, die Fans dürfen sich ihre Lana Del Rey jetzt eine Nummer kleiner malen: Sie muss sich mit den breiten Keyboardflächen der Ebenen abmühen, mit Tribal Beats, die aus dem Baukasten von ein paar Mainstreamproduzenten gekommen sind, die nichts Besseres zu tun haben, als Lana Del Reys exquisite Nancy-Sinatra-Stimme in einen Bombastpopkontext zu befördern („Off To The Races“ und „Dark Paradise“) oder gleich in den Dienst eines schlappen amerikanischen Mainstream-Radio-Songs („Summertime Sadness“). Es gibt diese Momente, in denen die Sängerin sich auf dem coolen Gitarrentwang der Rock’n’Roll-Gründerjahre mit der Eleganz einer Diva zu bewegen weiß, aber ohne das glamourös-heimelige Bilderwerk ihrer ersten beiden Songs verfliegt der Zauber des Morbiden und Mysteriösen sehr schnell. Lana Del Rey ist nach dem frühem Höhenflug wieder auf dem Boden gelandet. Nicht mehr und nicht weniger. Key Tracks: „Blue Jeans“, „Video Games“


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