Lee Ranaldo :: Between Times And The Tides

Dann doch nicht mehr als (Alternative) Rock. Das "songorientierte" Soloalbum des Sonic-Youth-Gitarristen

Wahrscheinlich muss man die Ansprüche an ein Soloalbum von Sonic-Youth-Gitarrist Lee Ranaldo herunterschrauben, wenn es auf einem Major-Indie-Label wie Matador veröffentlicht wird. Weil dort dann doch gewisse „Erwartungen“ an „die sales“ geknüpft werden. Ranaldos circa sieben bisherige Soloalben und seine Kollaborationen mit anderen musikalischen Freigeistern wie William Hooker, Loren Mazzacane Connors, Mats Gustafsson und Zeena Parkins waren trotz stilistischer Diskontinuitäten dem musikalischen Experiment verpflichtet. Between Times And The Tides wird jetzt angepriesen als das erste Album Ranaldos, auf dem klassisches Songwriting im Mittelpunkt steht. Und es geht tatsächlich einigermaßen klassisch los, wenn Ranaldo am Anfang von „Waiting On A Dream“ das Sitar-Riff von „Paint It Black“ der Rolling Stones kapert und es aus seiner angestammten Fahrrinne katapultiert. Abgesehen von dem grandiosen Noise-Popper „Xtina As I Knew Her“ ist das, was der Sonic-Youth-Gitarrist mit Musikern von Wilco (Nels Cline), (Ex-)Sonic Youth (Steve Shelley, Bob Bert, Jim O’Rourke) und dem Jazz-Keyboarder John Medeski aufgenommen hat, gar nicht so klassisch, sondern eher bieder angelegt. So gilt auch für dieses Soloalbum von Lee Ranaldo das, was über die songorientierten Soloarbeiten seines Kollegen Thurston Moore zu sagen ist: ohne die Magie von Sonic Youth ist es halt einfach nur so (Alternative) Rock.

Key Tracks: „Xtina As I Knew Her“, „Hammer Blows“

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