LeVent LeVent


A Recordings/Cargo

Als Musikjournalist genießt man das Privileg, den zu besprechenden Tonträger gratis zu bekommen. Obendrein liegt ein Info-Blatt bei, und das hat es bisweilen in sich. Manchmal werden Plattitüden aneinandergereiht, finden sich falsche Fakten. Es gibt sehr sachliche Texte, andere sind derart kreativ, dass man sie am liebsten abschreiben möchte. Auf dem Beipackzettel zum selbst­betitelten Debüt von LeVent tauchen die kreativen Wortneuschöpfungen New-Croon Stoner, Goatcore oder Dream Severe Space Doom auf, da wird natürlich beim englischsprachigen Professor Wikipedia nachgefragt. Treffer: Null. Immerhin finden sich in den Songs der noch jungen, 2015 gegründeten Band aus Berlin Elemente aus dem Stoner-Rock oder Dream-Core, vor allem aber steht das Trio fest verankert im grantigen Indie-Rock. Das erklärt sich schon aus der Historie der Mitglieder.

Neben der US-Amerikanerin Maryna Rosso am Bass gehören noch Heike Marie Rädeker und Frank Neumeier LeVent an. Die beiden blicken auf eine gemeinsame Vergangenheit bei den Berliner Noise-Rockern Wuhling zurück, die Mitte der 90er-Jahre bei Touch & Go sowie City Slang veröffent­lichten und Steve Albini als Pro­duzenten gewinnen konnten. Rädeker, die einen sechssaitigen, sehr prägnanten und grummelnden Fender-E-Bass spielt, gehörte zudem einst 18th Dye an, Neumeier trommelte beim Caspar Brötzmann Massaker.

LeVent sind zwar eine Newcomer-Gruppe, die musikalisch aber in den 90ern sozialisiert wurde. Auf eine Gitarre verzichten die drei, nur auf einem einzigen Track taucht sie auf, gespielt von Anton Newcombe (Brian Jones­town Massacre), auf dessen Label A Recordings LEVENT erscheint. Diese Wahl der Instrumente sorgt für viel Druck in den elf rohen Songs, in denen Zitate von Sonic Youth oder The Wipers auftauchen. Es gibt auch entrückte, karg arrangierte Songs wie „Rabbits“, aber die gehören zu den eher seltenen Momenten.


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