Album der Woche

Luvre47

DANKE FÜR ALLES

A Million/Groove Attack (VÖ: 29.3.)

Sein Block: Der Berliner erzählt in seinem Rap Geschichten aus unterpriviligierter Perspektive.

Für einen Rapper nicht ungewöhnlich, beschreibt Luvre47 in seiner Musik die Gegend, aus der er kommt. Bei ihm ist das die Gropiusstadt im Berliner Süden, eine Trabantenstadt, die schon kurz nach ihrem Bau als sozialer Brennpunkt verschrieen war. Ungewöhnlich ist, mit welchem Feingefühl und Scharfsinn er das tut, mit welcher Virtuosität er Bilder vor unserem inneren Auge aufruft, die nicht an den spezifischen Entstehungsort gebunden bleiben, sondern eine universale Kraft entwickeln: „Satellitenschüsseln voll Taubenkot / Treppenhaus riecht nach gerauchtem Koks“, heißt es da.

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Die Kulisse ist austauschbar, nicht aber die Klasse, die sich hier artikuliert: „Als würde es da oben auch nur irgend jemand kümmern / So viele Träume sind hier unten schon gestorben“, klagt Newcomer und Gast-Rapper Tjark verzweifelt an. Wie sich das Leben in diesem Unten auf die Psyche auswirkt, ist wichtiges Thema von DANKE FÜR ALLES. Perspektivlosigkeit und Depression gehen Hand in Hand, einsam und ziellos treiben die verlorenen Seelen im Häusermeer.

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Denn Luvre47 blickt keineswegs nur auf sich selbst, im Gegenteil wird er zu einem Sprachrohr seiner Hood, erzählt multiperspektiv: So handelt zum Beispiel der in jeder Hinsicht bemerkenswerte Song „Kein Strom“ von dem Eigensinn einer jungen Frau aus dem Block, die sich nicht mit dem zufrieden geben will, was die Gesellschaft für sie bereitzuhalten scheint. Es sind auch diese Geschichten von Widerspenstigkeit und Aneignung, von Solidarität und Gemeinschaft, die Luvre47s meisterliches Block-Porträt abrunden, indem sie klarstellen: Hier ist nicht alles grau.

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