Interview

Party of Two im Interview: „Die Musik ist der Ort, an dem wir aufleben“

Jadagrace und Swim ĂĽber ihre Zusammenarbeit seit der Kindheit, Vorbilder wie Kendrick Lamar und die Energie ihrer Live-Shows in Europa.

Das amerikanische HipHop-Duo Party of Two war in Europa unterwegs. In der Kantine am Berghain schufen sie Tanzstimmung zu ihren Rap-Tracks. Hier Jadagrace und Swim im Interview.

Eure letzte Show in Europa liegt hinter euch? Wie fĂĽhlt ihr euch gerade? Was habt ihr jetzt geplant?

Jadagrace: Der größte Plan nach einer Tour ist immer, Schlaf nachzuholen und sich zu erholen. Denn jetzt ist es Zeit, wieder ins Studio zu gehen und am nächsten Projekt zu arbeiten. Wir waren viel unterwegs, sind viel gereist, waren viel auf der Bühne. Aber es war eine tolle Tour und ich bin sehr dankbar.

Wie war eure Finalshow? Wie war es generell, durch Europa zu touren? Habt ihr Unterschiede zwischen den Städten bemerkt?

J: Ehrlich gesagt, bewegen sich die Leute in Europa viel mehr. Die haben mehr Spaß. Manchmal sind die Leute in L.A. ein bisschen steif. Dafür gibt es hier eine kleine Sprachbarriere. Aber ich finde es schön, dass sie sich trotzdem durch die Musik verbinden können. Die Europa-Shows waren absolut unglaublich.

Swim: Ich glaube, Musik muss die Menschen wirklich bewegen, um die Sprachbarriere zu überwinden. Die Leute in Europa sind wirklich begeistert, uns zu sehen – vor allem, weil wir nicht von hier sind. Das ist schön. Ich liebe es, in Europa aufzutreten.

Instagram Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Wie nah seid ihr eurer Fanbase?

S: Ja, wir sind sehr eng mit unserer Fanbase.

J: Wir erkennen die Fans sehr oft bei den Konzerten wieder, auch von Social Media. Wir erinnern uns an viele Fans, die absolute Superfans sind und uns immer unterstĂĽtzt haben.

Ihr seid ja auch sehr eng miteinander befreundet, schon seit ihr klein wart. Was hat sich zwischen euch beiden verändert seit eurer Kindheit? Vor allem jetzt, wo ihr zusammen Musik macht und gemeinsam im Rampenlicht steht.

J: Ich glaube, unsere Arbeitsmoral hat sich verändert. Wir waren Kinderdarsteller:innen und Entertainer:innen. Wir haben schon immer gearbeitet. Als wir jünger waren, haben wir einfach Spaß gehabt. Musik zusammen zu machen war einfach Spaß, wir haben es nicht zu ernst genommen. Aber jetzt, wo es unser Job ist und wir ein Duo sind, haben wir mehr Intention. Wir haben beide dieselben Ziele. Wir haben eine tolle Chemie.

S: Ich würde sogar sagen, dass sich nichts verändert hat. Ich glaube, viele Leute, die uns kennen, würden sagen, dass wir genau so sind wie mit 12 oder 14 Jahren. Natürlich sind wir älter geworden und die Dinge sind ernster und reifer geworden. Aber unsere Dynamik ist wirklich noch genau dieselbe. Ich glaube, deshalb macht die Musik so viel Spaß. Deshalb sind die Videos so witzig. Es war immer nur wir, die als Kinder Spaß hatten. Wir versuchen, das durch das, was wir heute tun, am Leben zu erhalten.

Glaubt ihr, dass es euch hilft, als Kinder schon in der Ă–ffentlichkeit gestanden zu haben? Jetzt, wo ihr bekannter werdet?

S: Es macht es definitiv leichter, damit umzugehen. Ich glaube, die Leute realisieren nicht unbedingt, worum sie bitten, wenn es um Erfolg und Sichtbarkeit geht. Es bringt so viel mehr mit sich als nur die coolen Sachen. Ich glaube, wir haben das als Kinder sehr frĂĽh gelernt. Es ist definitiv leichter fĂĽr uns, damit umzugehen. Es kann herausfordernd sein, als Mensch und als KĂĽnstler:in. Wir sind ehrlich gesagt ziemlich introvertiert, aber die Musik ist der Ort, wo wir aufleben.

Gibt es manchmal Momente, wo ihr euch gegenseitig auf die Nerven geht?

J: Zum Glück streiten wir uns nicht. Wir gehen uns auf die Nerven, wir provozieren uns manchmal gegenseitig – besonders wenn wir gemeinsam arbeiten, sind wir oft unterschiedlicher Meinung. Das sind aber auch die Momente, die uns dazu bringen, etwas wirklich Einzigartiges zu erschaffen. Wir haben verschiedene Perspektiven und musikalische Einflüsse. Ich glaube, das ist tatsächlich ein Vorteil. Manchmal sind wir einfach anderer Meinung, aber haben am Ende immer dasselbe Ziel.

Wie sieht denn der kreative Prozess fĂĽr euch beide aus?

S: Es kann sehr unterschiedlich sein, aber meistens sitzen wir beide im Studio und schmeißen Ideen an die Wand. Meistens komme ich zu Jadagrace mit einer verrückten Idee, klanglich gesehen. Ich habe immer meine Kopfhörer auf, höre immer etwas und denke mir neue Ideen für die Musik und das Kreative aus. Oft mache ich etwas an der Produktion und bringe diese Ideen zu Jada. Sie steigt ein und spielt mit Melodien. Von da aus bauen wir weiter. Oft gehen wir nicht mit der Absicht rein, etwas zu machen, das so oder so klingt – wir erforschen und experimentieren einfach. Was auch immer passiert, wir folgen dem Gefühl.

J: Es gibt keine Anleitung, der wir folgen. Es ist einfach das, was sich in dem Moment richtig anfĂĽhlt.

Instagram Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Also Tag fĂĽr Tag reingehen und schauen, was passiert. Habt ihr besondere EinflĂĽsse oder Inspirationen?

S: Oh ja, definitiv. Von Kendrick Lamar über Tyler, The Creator bis Michael Jackson. Ich würde sagen, unsere größten Inspirationen sind Menschen, die rundum Künstler:innen und Performer:innen sind – die jede Box abhaken: von Outfit über Visuals, Musik bis hin zu Bühnenpräsenz. All das ist uns sehr wichtig.

Okay,  ihr habt viele Namen genannt, aber ihr könnt euch wahrscheinlich nicht auf eine Person festlegen. Das wäre zu schwer, oder?

J: Ich wĂĽrde sagen, als Duo sind es vielleicht am meisten die Black Eyed Peas.

Euer Name ist Party of Two. Geht es dabei ums Feiern und Ausgehen, oder ist es politisch – also als Partei gemeint? Denn ihr habt ja auch politische Einflüsse in eurer Musik.

J: Es ist ehrlich gesagt ein bisschen beides. Wir spielen mit beidem. Ich glaube, das war sozusagen die Schönheit des Namens – wir können hin und her spielen. Aber ich glaube, fĂĽr dieses spezifische Album, „America’s Next Top Party“, lehnen wir uns definitiv in den politischen Kommentar hinein und erschaffen sozusagen unsere eigene Party mit unseren Fans und einfach einen sicheren Raum. Aber ja, wir feiern auch gerne. Wir machen gerne Musik mit SpaĂźfaktor.

S: Ich glaube, noch mehr als das ist die Idee hinter „Party of Two“ als Name einfach, dass wir als Duo immer zusammen unterwegs sind und immer im Einklang. Egal wohin wir gehen, was wir tun – es wird immer eine Party of Two sein. Solange du Musik hast, bist du immer eine Party of Two. Selbst wenn du allein bist, kannst du jeden Künstler bzw. jede Künstlerin hören und durch die Musik verbunden sein. Es geht darum, Menschen durch Musik zu verbinden.

Wollt ihr den Leuten, die eure Musik hören, eine bestimmte Botschaft mit den politischen Anspielungen mitgeben?

S: Ich wĂĽrde sagen, die Botschaft steckt in der Musik.

Einer der größten Songs auf dem Album war „Poser“. Ein Teil davon ist wirklich viral gegangen und das Musikvideo war auch ziemlich bekannt. Wie kam es zu dem Videoclip?

J: Ehrlich gesagt, jedes Mal, wenn wir einen Track machen, denken wir sofort an die Visuals dahinter. Die sind uns wirklich sehr wichtig. Wir lieben es, unsere eigenen Videos zu drehen und kreativ zu leiten. Wir haben nicht versucht, das viral zu machen – wir wollten einfach allen zeigen, wie wir arbeiten, hinter den Kulissen. Es schien, als wären die Leute wirklich daran interessiert, unseren Prozess zu sehen. Als es viral ging, war das definitiv unerwartet. Wir haben das genommen und beschlossen, ein Album zu machen, weil wir diesen Buzz nicht so schnell erwartet hatten. Wir sind sehr dankbar, dass die Leute sich damit verbunden haben. „Poser“ ist definitiv einer meiner Lieblingssongs des Projekts.

Youtube Placeholder

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Ihr habt gerade die Extended Version eures neuen Albums veröffentlicht. Es hat drei weitere Songs drauf. Warum habt ihr euch entschieden, es zu erweitern?

J: Ich glaube, wir hatten einfach das Gefühl, dass diese Ära noch nicht vorbei ist. Die Fans haben uns das wirklich bewusst gemacht – die Welt, die wir aufgebaut haben, fühlte sich noch nicht abgeschlossen an. Ich glaube, diese drei Tracks sind eine tolle Möglichkeit, das abzurunden. Wir hätten das Album von Anfang an mit diesen drei Tracks veröffentlichen können, aber ich finde, es ist eine schöne Möglichkeit, die Ära zu verlängern und zu zeigen, dass wir noch mehr zu geben haben.

Würdet ihr sagen, die Ära ist jetzt abgeschlossen und ihr geht in eine neue über?

S: Für uns intern neigt sie sich dem Ende zu. Ein Teil des Grundes, warum wir sie verlängern wollten, ist, dass wir am nächsten Projekt arbeiten – aber das braucht noch etwas Zeit. Wir wollten nicht von unseren Fans verschwinden, während wir daran arbeiten.

Der Titel des Albums ist „America’s Next Top Party“. WĂĽrdet ihr sagen – Party in Europa oder Party in Amerika? Was bevorzugt ihr?

S: Ich weiß nicht, ob ich eine Präferenz habe, aber es gibt definitiv Unterschiede. Ich glaube, ihr bleibt hier ziemlich lange auf, was mir gefällt. Ich finde es wirklich cool, dass wir aus Amerika kommen, aber diese Party-Energie trotzdem nach Europa bringen können. Ich habe die Tour hier geliebt, weil wir das Beste aus beiden Welten hatten.

Gestern habt ihr in der Kantine im Berghain gespielt. Wart ihr vorher schon mal im Berghain?

S: Nein. Ich habe gehört, es ist wirklich cool. Ich will definitiv nochmal hingehen. Wir hatten nicht viel Zeit. Ich bin wirklich neugierig auf die ganze Techno-Rave-Szene. Ich würde gerne mehr davon sehen.

Ja, auf jeden Fall. Ihr habt ja auch letztes Jahr schon in Berlin gespielt. Das war in einem Späti, oder? Wie kam es dazu?

J: Ich glaube, wir wollten einfach testen, wie unsere Fanbase hier so ist. Es war unser allererstes Mal in Europa. Wir haben einfach gesagt, kommt vorbei und wir machen eine kleine Performance. Es war keine große Produktion oder so. Wir wollten einfach mit den Fans in Kontakt treten. Es war ziemlich viel los. Ich glaube, in dem Moment haben wir gedacht – wir sollten auf jeden Fall eine Headline-Show in Deutschland machen.

Toll. Dieses Jahr war es dann wohl etwas größer. Ihr habt ja gestern einen Rap-Battle gemacht. Ich würde gerne wissen, wer am Ende gewonnen hat. Das Publikum hat für Jada gestimmt, aber ihr habt auch die QR-Codes zum Abstimmen gehabt.

J: Ja, ich habe es ehrlich gesagt gar nicht nachgeschaut. Wir schauen das nie nach.

S: Es entscheidet immer das Publikum. Es ist immer Jada. Jada gewinnt immer.

J: Wir mĂĽssen nochmal eine Runde machen.

Habt ihr noch eine Botschaft an die Musikexpress-Leser:innen, die eure Musik hören?

S: Ich möchte dasselbe sagen, was wir bei all unseren Shows sagen. Es ist ganz einfach, aber wirklich von Herzen – i love you. Wir sind so dankbar für jede einzelne Person, die unsere Musik hört, die mit uns interagiert, die zu einer Show kommt, die Merch kauft, die ihre eigenen Pins oder Barettmützen bastelt. Es bedeutet uns wirklich sehr viel. Wir sind unglaublich dankbar für jeden, der uns unterstützt.