Mike Shinoda  Post Traumatic 


Warner 

von

Nach der gleichnamigen EP veröffentlicht Mike Shinoda ein Album, auf dem er sich mit dem Verlust von Chester Bennington beschäftigt. Neun der 16 Songs gab es vorab zu hören und man konnte es schon bei der EP kaum aushalten. Mit kompletter Offenheit und Wut beschreibt Shinoda, wie und was er nach dem Tod Benningtons fühlt: „I got demons inside me, So I’m faced with a choice: either try to ignore them or I give them a voice“. Fast scheint es, als wolle er dem Sell-out-Vorwurf zuvorkommen, was nicht nötig sein sollte.

Künstler müssen nun mal raushauen, das liegt in der Natur ihrer Arbeit. Shinoda hat sich zu diesem Zwecke in ein Haus in L.A. vergraben und POST TRAUMATIV allein aufgenommen. Entstanden ist der glattproduzierte Pop-Rap, den man schon von seinem Fort Minor kennt, nur mit mehr Mut zum Elektronischen. Fast Drake-esk, also schluffimäßig und melancholisch, beginnt es mit „Place To Start“: „I don’t want to know the end. All I want is a place to start“. Der Song endet mit Ansagen vom Anrufbeantworter: Man hört Freunde sich nach Shinodas Befinden erkundigen und die Antwort gibt es im nächsten Song: „Over Again“, bei dem die Hilflosigkeit und die Angst weiterzumachen offenkundig wird: „All I wanted was to get a little closure“.

Und es gibt auch sonst nicht so richtig viel Trost, sondern weiterhin Ratlosigkeit („Watching As I Fall“, „Nothing Makes Sense Anymore“), verständlicherweise viel Pathos bis hin zur völligen Überschreitung der Kitschgrenze („Ghosts“) und sehr viele Gesangseinlagen, die an Bennington erinnern, so unter anderem bei „Lift Off“, bei dem Chino Moreno von den Deftones übernimmt.

„It’s a journey out of grief and darkness, not into grief and darkness“, sagt Shinoda selbst über dieses Album und man kann ihm nur dankbar sein, dass er das mit uns teilt.  


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