Nathan Fake Blizzards


Cambria Instruments/Rough Trade (VÖ: 1.5.)

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Es gibt ja Begriffe, die sollte man in Rezensionen vermeiden, aber manchmal drängen sie sich so sehr auf, dass es gar nicht anders geht. Sound­design ist so einer, der hier aber durchaus etwas zu sagen hat. Denn wie Nathan Fake auf seinem fünften Album wie in einem Theaterstück Sounds und Beats immer zur richtigen Zeit für genau den richtigen Effekt auf die Bühne schickt, ist beeindruckend.

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„Pentiamonds“, dieser so sanft wirkende und sich in Zurückhaltung übende Rave-Track, lässt immer wieder hell strahlende Synths nach vorne, während der zitternde Beat auf seinen Einsatz wartet. Beispiele wie diese enthält das Album en masse, was der Brite mit hypnotischen Breakbeats, Acid-Spitzen und melodischen Four-Tet-Spielereien immer wieder unterfüttert. Das bleepende, stampfende „Ezekiel“, aber auch „Firmament“, bei dem Drum’n’Bass und Acid sich perfekt koordiniert etwas näher kommen.

Nathan Fake – Torchsong (Jon Hopkins Edit) auf YouTube ansehen

Und dann wäre da „North Brink“, das einen hektischen Beat der Bass-Musik über eine dystopische Spieluhren-Musik schiebt, wie es sonst nur Actress wagen würde. Ob hier die Kopfhörer aufgesetzt oder die Tanzschuhe angezogen werden, spielt keine Rolle. Nathan Fake hat das bislang beste Album seiner Karriere produziert und einen Geist von Rave heraufbeschworen, der, wenn er immer so klänge, gerne länger in den Ohren spuken dürfte.


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