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Piroshka Brickbat


Bella Union/[PIAS] Coop/Rough Trade (VÖ: 15.2.)

Natürlich muss man zuerst die Personalien aufnehmen bei dieser Band: am Mikro Miki Berenyiin den 90ern und während der Reunion vor zweieinhalb Jahren bei Lush, neben Ride und Slowdive die dritte wichtige Shoegaze-Band. Daneben ihr Ehemann KJ McKillop, einst bei Moose, musikalisch artverwandt. Am Schlagzeug Justin Welch (früher Elastica). Am Bass schließlich Mick Conroy, den manche noch von Modern English (Hit: „I Melt With You“) kennen mögen.

Das als Allstar-Band zu bezeichnen, ist Blödsinn, eher verhält es sich so: Alle Beteiligten haben vor allem in den 90er-Jahren sehr gute Musik gemacht. Berenyi hörte 1996, nach dem Selbstmord des Lush-Drummers Chris Acland, komplett damit auf. BRICKBAT ist also vor allem ihr Comeback. Und das hört man.

Man mag aber in der musikalischen Umsetzung der Songs mehr Offenheit erkennen als bei Lush, eine Aufmerksamkeit, die auch die Seitenstränge der Arrangements liebevoll mit kleinen Geschenken versorgt. Hier ein Drumcomputer, da ein Trompetenton, der gedämpft ist wie im Jazz. Hier ein Xylophon, hier eine Gitarre, die die alten Feedbackschleifen durch Twang oder akustische Töne ersetzt, immer wieder Streicher. Das alles wirkt souverän und rutscht nur selten in ein ja stets anstrengendes Ausstellen der eigenen Fähigkeiten ab.

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Trotzdem fehlt etwas, es ist schwer zu beschreiben, vielleicht so: Piroshka erfüllen stets die Erwartungen, sogar mehr als das. Sie halten dennoch Distanz zum Hörer. Nur zwei, drei Mal herrscht Dringlichkeit, etwa im Brexit-Song What’s Next“. Vor allem aber Everlastingly Yours berührt dann doch. Da legen sich krachige Gitarren über Synthie-Flächen. Von irgendwoher kommt ein Glockenspiel, später folgen Bläser und ein paar Bababa-Chöre, Miki Berenyi lässt ihre charakteristische Stimme über verschiedene Ebenen gleiten. Plötzlich ist alles – ach nein, nicht wie 1992. Plötzlich ist man mittendrin in einem groartigen Popsong, von dem man sich ein paar mehr gewünscht hätte auf diesem Album. 

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