PJ Harvey :: Stories From The Cities, Stories From The Sea

Archaische Erzählkunst trifft auf Frau Harveys neu entdeckte Kraft der Stille.Chanson Noir

Man sollte sich nicht täuschen lassen von den ruppigen Gitarrenklängen in „Big Exit“. mit denen PJ Harvey in ihr sechstes Album einsteigt. Kein neuerliches Purgatorium einer bis aufs Skelett abgemagerten Popsongdramatik erwartet uns hier. Kein Totentanz einer von den eigenen Ängsten erdrückten, nach Katharsis suchenden Seele. Es präsentiert sich vielmehr eine Künstlerin, die sich den sanfteren Seiten ihrer Musik geöffnet hat, und die nunmehr ein Gefühl in aller Ruhe entwickeln kann. Dabei beharrt PJ Harvey auch weiterhin ohne spürbare innere Zweifel auf der Gitarre als wichtigstem Begleiter durch ihre Wahrnehmungswelt. Ihre Erzählkunst gewinnt gerade durch diesen archaischen Ansatz, da ihr poetischer Pinselstrich von einigen wenigen, kräftig aufgetragenen schwarzen Linien geprägt ist und sich daher mit dem rauesten aller Protagonisten der Rockhistorie naturgemäß am wohlsten fühlt. Und wenn es hier schon um die Annäherung an das Pathos aus der „guten“, aus der unpeinlichen Richtung geht, dann darf einer nicht fehlen: RadioheadsThom Yorke gastiert auf diesem Album für das wohlige Duett „The Mess We’re In“, und singt auf zwei weiteren Tracks Backing Vocals. Natürlich kommt es in den Songs von PJ Harvey weiterhin zu irritierenden Augenblicken wie im flirrenden, schwebenden „Beautiful Feeling“, in dem die Spannung zwischen Klaustrophobie und Befreiung bis ins Unerträgliche wächst – einem Drahtseil gleich, das auf den beängstigend intensiven Druck von außen nur mit vibrierendem Singen antworten kann. Doch andererseits finden sich Tracks wie „You Said Something“ oder das berückend schöne „We Float“, in denen PJ Harvey die Kunst des Chanson Noir bis hin zu einem Punkt der Perfektion stilisiert, der in aller Freundlichkeit an die Tür zum Popsong klopft.

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