Robert Görl & DAF Nur noch einer


Grönland/Good To Go (VÖ: 26.11.)

von

Wenn man das erste Stück programmatisch verstehen darf, und das sollte man wohl, wenn es „Erste DAF Probe“ heißt und im Hintergrund irgendwann die Zeile „der erste Song“ zu hören ist, und erst recht wenn es am Anfang eines Albums steht, auf dem Gabi Delgado fehlt, obwohl DAF auf dem Cover steht, und das NUR NOCH EINER heißt, weil sich der zurückgebliebene Robert Görl schon was dabei gedacht haben wird, wenn also dieses Stück eine ziemlich umstrittene Unternehmung eröffnet, dann ist das Lachen, das dieses Stück prägt, womöglich eine Ansage an die Kritiker, die schon im Vorfeld Leichenfledderei konstatierten.

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Gefleddert aber hat Görl vor allem alte Aufnahmen aus den 80er-Jahren, er hatte noch vor dessen Tod zusammen mit Delgado alte, bislang unveröffentlichte Basistracks ausgesucht, aber der konnte die dann nicht mehr betexten und besingen. Das hat Görl nun selbst übernommen und reklamiert, dabei habe ihn der Geist seines ehemaligen Partners besucht, und vielleicht bezieht er sich darauf, wenn er singt: „Deine Gedanken, ich kann sie fühlen und dich versteh’n.“

Der Geist hat allerdings leider nicht mehr den Humor des lebendigen Originals. Einen Humor, ohne den das Pathos und die Stumpfheit, die zur Grundausstattung von DAF gehörten und gehören, nur noch schwer zu ertragen sind. So singt Görl zwar durchaus richtige und wichtige Sachen, etwa „DAF war für immer“ in einer Hommage auf Delgado, die nicht zufällig „Ein Kind aus dem Ratinger Hof“ heißt, aber so ewig groß die großen Stücke von DAF auch sind, so wenig ist Görl in der Lage, ohne Delgado den wahren Geist von DAF einzufangen.


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