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Róisín Murphy Hairless Toys


PIAS

Der beste Weg, sich von Miss Murphys drittem Soloalbum um den Finger wickeln zu lassen, ist der, sich mit ihm an einen Ort zurückzuziehen, wo Musik und Liebhaber ungestört sind und der Sound sich möglichst fein auflöst. Dort lässt man sich von seinem prächtigen Klang überwältigen, den Eddie Stevens als Produzent (er spielte schon bei Moloko) ihm gegönnt hat, und von seinem bloßen Spiel, vom Tänzeln der Hi-Hats, dieser exzellenten Jazzgitarre, den strahlenden Synthesizern.

Dem irgendwie aus dem aktiven Kellertreiben gerutschten Clubgänger bietet diese Platte, die Murphys experimentellem Debüt RUBY BLUE (2005) viel näher steht als dem oberflächlichen OVERPOWERED (2007), so gewissermaßen sein eigenes BROTHERS IN ARMS-Erlebnis, spöttisch formuliert. Aber selbst die Stubenhocker unter uns sind ja längst mit allen Wassern gewaschen, wissen ein Dutzend House-Arten zu unterscheiden und auf welche Heaven-17-Tracks die nervösen Bassläufe hier möglicherweise zurückzuführen sind. HAIRLESS TOYS frisst uns trotzdem mit Haut und Haaren, weil dieses Album sein Wissen und seine Bezüge nicht einfach nur anhäuft und ausstellt, sondern in acht ausführlichen Aufzügen eigene, durchweg spannende Dramaturgien entwickelt – mal als Track, der sich quasi selbst remixt („Exploitation“), mal als den Sonnenuntergang verlängernder Blues („Hairless Toys (Gotta Hurt)“), der dort erst richtig anfängt, wo 10ccs „I’m Not In Love“ sich verflüchtigt.

Und bis hierhin haben wir noch kein Wort verloren über Róisín Murphys Stimme: Diese Sängerin besticht durch all das, was sie weglässt – an Mühe, an Pose, an nur einer Idee von sich selbst, sie ist der reine Ton, das feinste Gefühl.


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