Rustin Man Drift Code


Domino/GoodToGo (VÖ: 1.2.)

Paul Webb spielte Bass bei Talk Talk, war dabei, als das überirdische SPIRIT OF EDEN entstand, zusammen mit Beth Gibbons nahm er später das Großwerk OUT OF SEASON auf. Der Brite kann großartige Geschichten darüber erzählen, wie es sich anfühlt, mit Menschen im Studio zu stehen, die jeden Ton, den sie entstehen lassen, verachten – und dennoch den Drang verspüren, Musik zu erschaffen.

Und Webb, der sich Rustin Man nennt, kam deshalb mit Mark Hollis und Beth Gibbons klar, weil er selbst zu dieser Spezies gehört: Jede Tonaufnahme wird mit größter Skepsis betrachtet, denn was bringt es, etwas zu produzieren, das es schon gibt? Schritt für Schritt näherte er sich über Jahre hinweg DRIFT CODE an, dem ersten Album, auf dem er als Leadsänger in Erscheinung trifft. Kann ich das? Will ich das? Millionenfach wird er sich diese Fragen gestellt haben, und das ist verständlich, denn Webb hat keine gute Stimme, sie erinnert im besten Fall an den Gesang von Robert Wyatt, klingt jedoch eher nasal als brüchig. Bei „Vanishing Heart“ doppelt sie sich selbst, dieses Eröffnungsstück nimmt den Faden der späten Talk Talk auf, man fühlt sich zu Hause. Das folgende „Judgement Train“ dagegen ist furchtbar, Blues zum Zugrattern, so unattraktiv arrangiert, wie sich eine Bahnfahrt im hoffnungslos überfüllten Regionalexpress mit Alkoholverbot anfühlt.

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Mit „Brings Me Joy“ wendet sich Rustin Man einer Art von Filmmusik zu, eine Sopran-Stimme jault im Hintergrund, die Harmonien sind wacklig, die Nerven des Hörers angespannt. „Our Tomorrows“ rettet für den Moment, weil Webb hier seiner Liebe zu Wyatt hemmungslos nachgeht und ein barockes Psych-Stück zwischen Soft Machine und Matching Mole spielt. Doch es geht schnell bergab, bis das Drama beim Schlussstück „All Summer“ zur Frage führt, ob uns Webb mit diesem Gesang zwischen Scott Walker und Kermit auf den Arm nehmen will.  

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