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Heavenly/PIAS Coop/Rough Trade

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Foto: Heavenly/PIAS Coop/Rough Trade

Saint Etienne sind in erster Linie Popsoziologen, deren Alben, Filmprojekte und Compilations (die jüngste heißt ENGLISH WEATHER und ist ganz hervorragend) Storys aus dem Leben in und um London erzählen. Die Geschichten spielen in Cafés und Autos, Vorgärten und Clubs, sie streifen die Sechziger- und Siebzigerjahre, durchschreiten die Achtziger und Neunziger und landen trotz aller Nostalgie immer in der Gegenwart.

Mit HOME COUNTIES widmet sich das geschmackssichere Trio (Fun-Fact: keine Band isst während der Promotage in Deutschland mehr Bratwürste) dem Speckgürtel von London, wo genau die Mittelklasse lebt, von der gerne behauptet wird, man habe sie vergessen. Was natürlich auch an der Mittelklasse selbst liegt, die zwischen Fress-Buffet und Fußball, Pub-Runden und Binge-Watching weder Zeit noch Interesse hat, sich um größere politische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu kümmern.

Wer jedoch von Saint Etienne auch nur ein böses Wort über ihr Sujet erwartet, kennt diese Gruppe nicht: Wenn sie wollten, bekämen die drei auch ein mildes Liebeslied über die AfD-Schmusis Petry/Pretzell auf die Reihe. Keine andere Band schreibt so formvollendete Songs über die Sehnsüchte des schlichten Bürgertums. Das klingt bei „Take It All In“ nach verschleppten Northern Soul, bei „Dive“ nach flottem Foxtrott mit Latino-Bläsern, bei „Out Of My Mind“ nach 80ies-Pop. Es gibt nur einen anderen Act, der sich auf diesen nicht ganz einfachen musikalischen Terrains so sicher bewegt, und das sind die Pet Shop Boys. Seltsam eigentlich, dass es von denen und Saint Etienne noch keine gemeinsame Aufnahme gibt.

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