Album der Woche

Sam Vance-Law

Homotopia

Caroline/Universal

Außergewöhnlich guter kammermusikalischer Pop des jungen Kanadiers mit der Wahlheimat Berlin.

Popmusik, gespielt von Menschen, die keinen Pop mögen – das kann zu wunderbaren Ergebnissen führen, man denke nur an Stephin Merritt und seine Magnetic Fields. Die Gefahr liegt jedoch darin, den Popsong bei der Komposition zu akademisieren, ihn auf Partituren zu schreiben und seinen Musikern beizubringen, sodass am Ende popmusikalische Versuchsanordnungen entstehen. Werbe- und Filmleute nutzen diese Art von künstlichem Pop sehr gerne, allein für sich stehend wirkt diese Musik jedoch häufig so einsam wie ein Manager in Anzug und Krawatte, der den letzten Flug nach Hause verpasst hat.

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Sam Vance-Law macht diese Fehler nicht. Es war klar, dass die Arrangements sitzen würden: Konstantin Gropper von Get Well Soon hat mitgeholfen. Zu erwarten war auch, dass die dunkle Stimme von Sam Vance-Law einen Song tragen kann. Was aber wirklich begeistert, ist die Pop-Sensibilität, mit der dieser Debütant durch seine selbstironischen Songs über das Schwulsein im Jahr 2018 führt. „Let’s Get Married“ spielt auf textlicher Ebene mit dem Für und Wider des Ehebegriffs für Homosexuelle, die Musik unterstützt die Dialektik, federt, bricht ab, klingt feierlich, unergründlich. „Narcissus 2.0“ beschäftigt sich schwungvoll mit dem Zeitalter des Narzissmus: Soll ja niemand denken, der US-Präsident habe das Problem allein für sich.

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Gut eine halbe Stunde läuft das Album, es dürfte gerne doppelt so lang sein: Vance-Law ist auf einem Level mit dem bisher konkurrenzlosen Violinen-Songwriter Andrew Bird.