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Sleaford Mods English Tapas

Rough Trade/Beggars/Indigo

von
Sleaford Mods – ENGLISH TAPAS; VÖ: 3.03.2017
Foto: Rough Trade/Beggars/Indigo

Wollte da irgendjemand was erwartet haben? Ich meine, dass die Mods noch übelriechender, scheußlicher, böser rüberkommen, oder mit richtigen Songs und einer „zeitgemäßen“ Produktion, um mal das andere Extrem zu nennen. Keine Chance! Die Sleaford Mods bleiben: unbeweglich, unbestechlich, unbeugsam (und mindestens 30 weitere Unwörter to follow).

Die Antithese zum bedeutungsschwer gewordenen Mainstream (Beyoncé, Solange, Kanye West) und dessen hipsteristischen Verwandten (Bon Iver, Kaytranada) ist dieser nihilistische Schimpfpunkrock. Wenn das denn mal Punk ist. Die Sleaford Mods spielen gegen die Vermikroskopierung des Pop an, der sich in Zitaten und Codierungen gerne auch narkotisiert. Das hier ist nur ein Weckruf, die Mods haben einen Haufen Scheiß am Hals und werfen ihn Track für Track ab.

Was da jetzt im Studio von Ex-Pulp-Bassist Steve Mackey entstanden ist, kann es mit den besten Stellen auf DIVIDE AND EXIT (2014) und KEY MARKETS (2015) aufnehmen. „Moptop“ beginnt mit einem richtigen Big Beat, den man nachträglich einem Soul-Hit aus den 60s schenken möchte, bis Jason Williamson seinen Midlands-Provinzdialekt über den Rumpel-Bass jagt und blökt: „All I really wanted was to batter ’em blind“. Wortspuckware vom Resteregal, die aber doch right in the face gegenüber trifft. Oder in das der Lads aus der Neighborhood: „Ya so dead in the head you got a job facing life“.

Aggression und Verachtung bilden das Traumpaar, das das Duo erklärten Feinden ins Haus schickt, wie der britischen Kaufhauskette „BHS“, die viel zu viele Existenzen vernichtete. Maschinenbeats und einen einzigen Pianoton setzen die Mods dagegen. Bei „Drayton Manored“ kommt der Bass dazu, zieht wie ein dunkles Rumoren aus einem Tuxedomoon-Track an uns vorbei. „Cuddly“, ist, haha, so eine Art „Pianohymne“ auf einem verdrehten R’n’B-Fundament und bringt die Wortschöpfung „Brexcity Roller“ in die Welt. Williamsons Slang hat ein Klasse-Timing, und in diesem Bellen und Sprechen wird die Musik auf einmal ganz rund. Sie rast Double-Speed durch den Kopf. Und hört gar nicht mehr auf.

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