Snail Mail
RICOCHET
Matador/Beggars/Indigo (VÖ: 27.3.)
Indie-Rock nach der OP: Lindsey Jordan umarmt das Leben.
Keinen Bock mehr auf Liebeskummer: Nach zwei gefeierten Alben – das erste veröffentlichte sie noch als Teenager – möchte Snail Mail aka Lindsey Erin Jordan nicht mehr über Liebe und vor allem deren negative Seiten singen. Oder besser gesagt: Sie findet ihre Inspiration jetzt eher woanders. Zum Beispiel in den großen Fragen, die sie an das Leben und den Tod hat. Kommen wir am Türsteher der Himmelspforte vorbei? Was, wenn wir zu gerne an der Flughafenbar sitzen („My Maker“)? Hat das alles irgendeinen tiefergehenden Sinn?
War früher alles besser ( „Dead End“)? Okay, ganz aufgehört hat sie nicht, über die Liebe zu singen. Aber die ist heute nicht mehr unglücklich, sondern ein ruhiger Teil ihres Lebens. Das war in den letzten fünf Jahren seit dem letzten Album VALENTINE in allen anderen Belangen ja alles andere als ruhig. Drei Jahre war sie ziemlich ununterbrochen auf Tour, verlor zeitweise ihre Stimme, musste ihre Stimmbänder operieren lassen, zog aus New York weg, baute sich ein neues Zuhause im Nirgendwo irgendwo in North Carolina auf und legte sich einen Hund zu.
Aber satt und zufrieden klingt RICOCHET darum nicht, im Gegenteil, Snail Mail klingt nach der OP vielleicht besser denn je und bleibt ihrem charmanten Indie-Rock treu. Das perfekte Album, um sich in einen Coming-of-Age-Film aus den Neunzigern zu träumen.



