Spirit Was Heaven’s Just A Cloud


Danger Collective/Cargo (VÖ: 22.10.)

von

Manchmal sieht man den Wald vor Bäumen nicht. Man könnte aber auch sagen: Dieser Baum hier ist der Wald. Oder: Diese Wolke hier, die ist der göttliche Himmel. HEAVEN’S JUST A CLOUD heißt das Solodebüt von Nick Corbo alias Spirit Was, den Insider womöglich bereits durch seine Band LVL UP kennen. Eine solche Reduktion pars pro toto, die das Detail fürs Ganze sprechen lässt, braucht freilich ein enormes Gespür für die Essenz der Dinge, das Corbo, zumal als bildender Künstler, offenbar mitbringt.

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Ganz im Geiste des Slowcore vertraut Spirit Was auf langsame Tempi und auch mal auf minimale Country-Instrumentierung, einer scheinbar leeren Western-Wüste gleich – nur um dann mit großzügig verzerrten E-Gitarren eine Gewitterwolke aufziehen zu lassen – oder ist es ein High-Noon-Duell unter Colt-Poeten?

Die Doom-Metal-Schreie lassen es vermuten. Möglicherweise duelliert sich das lyrische Ich aber auch nur mit seinen eigenen Selbstzweifeln statt mit etwas physisch Fassbarem: „How long will I feel like a stranger / To the one who loves me?“, lautet die schreckliche Frage im dritten Stück. Eine starke Platte hat Corbo da gebraut, die einen immer wieder überrascht.


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