Steve Earle :: I’ll Never Get Out Of This World Alive

So knurrig wie seine Songs: das Romandebüt des Songwriters.

Der amerikanische Songwriter Steve Earle kennt sich aus: Einmal ist da der Rausch. In einer hässlichen, todesnahen Form, der sich der Protagonist aber mit der nötigen Demut beugt. Dazu kommt der Geist von Hank Williams. Diese Themenkomplexe tauchen paarweise auf und sind die Konstante im Leben von Doc, einem Arzt und Engelmacher, der seine Approbation längst verloren hat und der im schäbigsten Winkel der Tex-Mex-Metropole San Antonio lebt. Eine seiner Patientinnen ist die blutjunge Graciela. Ein Mexikanermädchen, das eines Tages von ihrem Lover zur Abtreibung gebracht und aus Docs Pensionszimmer nie wieder abgeholt wird. Dass sie ebenso wenig von dieser Welt ist wie der Geist von Hank Williams, fällt rasch auf – und bringt die Dinge gehörig durcheinander. Earles Schreibe erinnert tatsächlich an seine Songs. Unaufgeregt ist sie, etwas knurrig und voller Querverweise in die Schattenwelt des  okkult-katholischen Mexikos. Manchmal winkt der große texanische Romancier, Sänger und Alles-Künstler Kinky Friedman herüber, an anderer Stelle muss man an Michael Lewin und seine Albert-Samson-Krimis denken. Ein spätes, aber um so schöneres Debüt. 

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