Temples – BLISS: Pet Shop Boys statt Tame Impala

Psychedelia-Pop für den Endneunziger-Dancefloor, aber mit melodischem ­Bildungsauftrag.

Würden Temples mit jedem Album einer alternierenden Logik folgen, müsste BLISS wieder verstärkt zu den Sixties-Pop-durchflutenten Anfängen ihres Debüts SUN STRUCTURES (2014) zurückfinden. Doch anstatt – wie einst mit HOT MOTION (2019) – den Kurs nach Synthie-Flirts abermals in Retro-Richtung und Saiteninstrumentarium zu korrigieren, drehen die Briten die Dekaden-Stellschraube auf BLISS noch ein Stück weiter.

Pumpende Bässe und End-Neunziger-Club-Sounds dominieren – und emulieren den selbstvergessenen Tanzflächen-Trance-Sog, den Acts wie Faithless, Massive Attack oder Underworld entfachten. Was nicht bedeutet, dass Temples ihren melodischen Bildungsauftrag fortan völlig vernachlässigen.

Sänger/Gitarrist James Edward Bagshaw verankert die partiell im Strobolicht pulsierenden Stücke stets mit eingängigen, Charts-kompatiblen Gesangsbögen, die vor allem auf dem beruhigten „Blue Flame“ – sowie noch deutlicher auf „Jaguar“ – stimmfarblich eher Neil Tennant und die Pet Shop Boys als Tame Impala auf den Plan rufen. Geschenkt, dass man die ausformulierte Refrain-Kompetenz Erstgenannter dabei genausowenig erreicht wie die Neo-Psychedelia-Puristen.

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