Temples Sun Structures


Heavenly/[PIAS] Cooperative/ Rough Trade (VÖ: 14.02.)

Es passiert hin und wieder, dass sich Bewertungen von selbst auf den Kopf stellen, besonders dann, wenn sich das Objekt der Kritik quer zu den letzten Upgrades des Pop in einer eigenen Logik präsentiert. Vor fünf Jahren vielleicht hätte man das Debüt der britischen Temples als hübsche Psych-Folk-Beat-Platte aus der Retroschule mit drei Sätzen und einem Gähnen vom Tisch gewischt.

In diesem Moment aber, da Erkundungen der Vergangenheit sich in ein immer ausgefuchsteres System von Verwischungen, Verblendungen und Weiterentwicklungen davongestohlen haben, das zum Beispiel auf Namen wie Hypnagogic Pop hört, bürsten Temples schon wieder gegen den Strich. Mit einer klaren Ansage: „We still want songs to be songs.“ Wenn diese Songs auf Namen wie „Sun Structures“, „Colours To Life“ und „The Golden Throne“ hören und mit einfach nicht aus dem Kopf zu bekommenden Harmonien und Hooklines aufwarten, kommt das einer kleinen Befreiung von den Mühen der Differenzierung gleich. Homerecording kann ja auch groß und weit klingen, das wusste schon die britische Produzentenikone Joe Meek („Telstar“) in den Sechzigern, als er Gesangstracks in seinem Badezimmer aufnahm.

Natürlich geht es bei Temples auch um die Räume, die Aldous Huxley, Tim Leary und die Byrds schon für so viele Bands geöffnet haben, sie entstehen in den psychedelischen Kopfreisen des Quartetts. Die Füße hängen dabei in der Luft. Retro ist gerade mal kein dreckiges Wort mehr. Und Noel Gallagher würde aktuell kaum ein Wort lieber in den Mund nehmen als „Temples“. Vor zwanzig Jahren wäre das einem Adelsschlag gleichgekommen und die betreffende Band hätte sich keine Sorgen mehr um ihre Zukunft machen müssen. Heute müssen es Temples auf eigene Faust schaffen. Das Zeug dazu haben sie.


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