The Dismemberment Plan Uncanney Valley


Partisan/Soulfood

von

Wir waren nicht bei einem Fortbildungsseminar, bei dem es um die Anpassung von menschlichem Verhalten bei Robotern ging und das uns seitdem so sehr begeistert, dass wir immer wieder darauf zurückkommen. Es ist reiner Zufall, dass innerhalb kurzer Zeit zwei Bands ihre Alben nach dem Phänomen des unheimlichen Tals benannt haben („uncanny“ wird hier falsch geschrieben, wohl auch der Unterscheidung wegen). Es ist aber kein Zufall, dass sowohl Midnight Juggernauts als auch The Dismemberment Plan unter diesem Titel beeindruckende Arbeiten vorgelegt haben. Im Fall der Rockband aus Washington D.C. wurden wir nur auf dem falschen Fuß erwischt. Man rechnete nicht mit ihr. Sie hat sich 2003 aufgelöst. Ende der Neunziger lieferten uns The Dismemberment Plan mit ihrem Art-Rock-Ansatz Futter für neue Fantasien. Es ging weg vom aufgeblähten Getue, hin zu intelligenten Songs mit unvorhersehbaren Wechseln und Einflüssen aus R’n’B, HipHop und Punk-Funk. Wenn man der Band etwas vorwerfen wollte, dann ihre Neigung, die Dinge manchmal etwas zu angestrengt anzupacken. Das haben die von Sänger und Gitarrist Travis Morrison angeführten Musiker nun abgestellt. Man nimmt überall eine Grundentspannung wahr. The Dismemberment Plan haben sich vom Snobismus gelöst und keine Vorbehalte gegen griffige Strukturen mehr. Ein Favorit für die Playlist ist „Daddy Was A Real Good Dancer“. Kräuselndes Gitarrenspiel und jazzy Drumming gehen unter die Haut und geben Morrison Gelegenheit, sich auf schlaue Art durchzuschlängeln. Gute Bands zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Lage sind, ein Album mit einem Geistesblitz ausklingen zu lassen, der hängen bleibt. Hier ist es der von elektronischem Gefiepe und lässigem Swing angetriebene Schlussakkord „Let’s Just Go The Dogs Tonight“.


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